Mein Weg zum Steuerberater – Ein Erfahrungsbericht zum Mutmachen

Mit diesem kleinen Beitrag möchte ich allen angehenden Berufskollegen Mut machen, ihr Ziel, Steuerberater zu werden, absolut niemals aus den Augen zu verlieren. Es lohnt sich, zu kämpfen, sich von Rückschlägen nicht entmutigen zu lassen, fest an sich zu glauben und die Hoffnung nicht aufzugeben!

Der steinige Weg vom Berufswunsch zum Ziel: Steuerberater werden!

Jura zu studieren, Staatsanwältin zu werden, das war mein ursprünglicher Traum gewesen. Allerdings machten mir die hohen Anforderungen des juristischen Staatsexamens etwas Angst. Zudem schreckte mich die lange Ausbildungszeit und ich wollte eine Familie nicht erst in ferner Zukunft gründen.

Somit entschied ich mich 2004 für die Ausbildung zur Steuerfachangestellten, mit dem vagen Plan, das StB-Examen (irgendwann) später einmal zu absolvieren. Mein erster Ausbilder hielt mich für absolut ungeeignet für den Job. Noch in der Probezeit kam daher der Ausbilderwechsel, und im Januar 2007 hatte ich nach verkürzter Lehrzeit den Abschluss mit Auszeichnung durch die Steuerberaterkammer München in der Tasche.

Im April 2007 wechselte ich dann in die aktuelle Steuerkanzlei. In dieser mittelgroßen Kanzlei erhielt ich von Anfang an einen umfassenden Einblick, der es mir ermöglichte, schon in kürzester Zeit sehr viel zu lernen und mich stets weiterzuentwickeln. Mein Chef ist seither immer für mich da und unterstützt mich. Dies galt insbesondere auch, als ich nach der Geburt meiner Kinder jeweils wieder in den Beruf einstieg. Zwischendurch absolvierte ich nach nur sieben Wochen Vorbereitung in Vollzeit die Steuerfachwirtprüfung 2011/2012. Im Oktober 2017 ermutigte mein Chef mich (erneut), mich an den Steuerberatertitel zu wagen. Sein nachhaltiger Zuspruch und aufgrund der Tatsache, dass er das Potential in mir sah, schöpfte ich Selbstvertrauen, und mein Ehrgeiz war wieder voll entfacht. Er half mir bei der Entscheidung für eine Steuerfachschule, ermöglichte mir als Alleinerziehende mit zwei kleinen Kindern, nicht die vollen Wochenstunden arbeiten zu müssen, und versicherte mir, dass mein Platz in der Kanzlei – unabhängig vom Bestehen der StBPrüfung – gesichert sei.

Ich sprach mit meinen Eltern, die mir zusicherten, mich bzgl. der Kinder i. R. der Vorbereitung zu unterstützen. Meinen Söhnen musste ich lediglich versprechen, mit ihnen einen Urlaub in einem tollen Hotel zu machen, sollte ich das Examen bestehen. Meine Großmutter unterstütze mich sowohl mental als auch finanziell und mein Freundeskreis war ebenfalls stets mit Rat und Tat für mich da. Klar war aber auch: Das Geld würde nur für einen Versuch reichen. Nichtsdestotrotz: Die Finanzierung für die StB-Prüfung stand, trotz Teilzeittätigkeit und Hausfinanzierung.

Vorbereitung auf die schriftliche StB-Prüfung

Zur Einstimmung begann ich ab Februar 2018 hochmotiviert damit, Fachliteratur als Gute-Nacht-Lektüre zu lesen, und zwar zu Themen, um die ich bisher einen großen Bogen gemacht hatte: Internationales Steuerrecht, Personengesellschaften und ihre Besteuerung u.v.m. Zielpunkt war der 19.6.2018 – der Beginn meines Fernlehrgangs.

Und so ging es dann zunächst auch i. R. meines Fernlehrgangs weiter. Ich arbeitete gewissenhaft alle Lehrbriefe durch und schrieb Karteikarten. Das Gesetz bekam Farbe und ebenso einige Steuererlasse. Durch meinen Steuerfachwirt wusste ich: Eine feste Tagesstruktur ist das A und O; anders geht es nicht mit zwei Kindern. Also arbeitete ich an drei Tagen sowie vier Abenden und lernte an zwei Tagen. Zudem wurde jeden Tag mind. eine Stunde „quality time“ mit meinen Kindern eingeplant. Alles lief nach einem detaillierten Stundenplan, bis hin zum Einkauf und Haushalt.

Mit dem gleichen Elan begann ich ab Oktober 2018, Vorbereitungsklausuren zu schreiben. Dabei verzieh mir noch, dass dabei vieles nicht rund lief („ist schließlich erst die Vorbereitung …“). In der Praxis beherrschte ich diese Themen ja aus dem Effeff.

Im Januar 2019 waren die Lehrbriefe dann beendet. Ich resignierte vor Umwandlung und Internationalem Steuerrecht, schob dies auf den bereits geplanten Präsenzkurs im Sommer.

Ab Februar 2019 kam jedoch ein Tiefschlag nach dem anderen. In den sechsstündigen Übungsklausuren hatte ich mir von Anfang an den Wecker gestellt, schrieb unter „Echtzeitbedingungen“. „Disziplin, sonst geht es nicht!“, war mein Motto. Es hagelte Noten von 4,5 und schlechter. Ich steckte viel Zeit in die Nachbearbeitungen, mind. sechs Stunden pro Klausur zusätzlich, und erarbeitete mir Schemata. Kurz: Schlaf wird echt überbewertet. Doch es wollte und wollte einfach nicht besser werden. Auch im Privatleben war es sehr turbulent. Mein Partner und die Familie waren mir eine große Stütze, das Leben mit einem Vorpubertier jedoch immer wieder herausfordernd.

Im Mai 2019 lagen die Nerven dann endgültig blank. Ich hatte keine Kraft mehr vor lauter Lernen und Arbeiten. Die Angst vor dem zeitnahen StBExamen saß mir im Nacken. Da tat eine „Auszeit“ von zehn Tagen fernab von jeglichem Trubel und dem Steuerrecht gut. Zu Hause angekommen, schrieb ich die Klausuren zumindest teilweise endlich um 0,5 besser. Mein Credo lautete: „4,5 reichen!“ Doch eigentlich wusste ich nur zu gut, dass dies ein Wagnis war.

Der Präsenzkurs im Juli und August 2019 machte mir dann schon fast wieder Spaß. Natürlich war es sehr anstrengend, den ganzen Tag konzentriert dabei zu sein, mind. zwei Stunden täglich zu pendeln und Klausuren zu schreiben. Jedoch durfte ich auch tolle Menschen kennenlernen. Es gab eine ganz besondere Stimmung des Zusammenhalts der Prüfungsteilnehmer. Und so halten manche Kontakte bis heute.

Ende August gab es dann eine kurze Verschnaufpause ohne Kurs. Allerdings musste ich in dieser Zeit viel arbeiten, denn während des Präsenzkurzes hatte ich hierfür nur noch abends Zeit.

Hiernach folgte ein zweiwöchiges Intensivklausurentraining. Dabei lief es für mich „durchwachsen“. Es ging in manchen Teilen, aber einige dieser Klausuren waren für mich immer noch (zu) schwer. Die Nacharbeit, das war mir inzwischen klar geworden, ist entscheidend. Denn nur so lässt sich die Klausurtechnik – also die Technik, gefragtes (!) Wissen möglichst effizient und damit punktebringend zu Papier zu bringen – erlernen und erworbenes Wissen vertiefen. Also arbeitete ich alle Klausuren dieses Kurses bis zur schriftlichen Prüfung nach und hatte mir auf diese Weise zwei Hefte mit elementaren Lösungsstrukturen erarbeitet, um diese „u. U. noch einmal am Abend vor dem Prüfungstag“ durchsehen zu können.

Schriftliche Prüfung

Insgesamt 43 kurze und 34 sechsstündige Klausuren später musste es nun klappen. Die schriftliche StB-Prüfung stand für mich vom 8.10. bis zum 10.10.2019 an.

Für die Prüfungstage buchte ich mich in einem kleinen Hotel neben dem Prüfungsgebäude ein. Dann ging es am 8.10.2020 mit der „gemischten“ Klausur los. Dies war mit Abstand der schwierigste Prüfungstag für mich, denn ich hatte alles andere als einen guten Start. Ich hatte das Gefühl, nicht in den richtigen Rhythmus reinzukommen, war an manchen Stellen viel zu hastig in der Bearbeitung und dachte ans Aufgeben. Dank der aufbauenden Worte meines Chefs blieb ich jedoch dabei. Tag zwei (Ertragsteuerrecht) zeigte mir dann auch, dass ich Internationales Steuerrecht im Präsenz- und Intensivklausurenkurs verstanden hatte. Hier war ich ziemlich sicher, und mir wurde bewusst: Das läuft nun besser. An diesem Tag telefonierte ich auch mit einer Steuerberaterfreundin und wir spekulierten, was wohl am nächsten Tag i. R. der Bilanzenklausur geprüft werden würde. „Betriebsaufspaltung“, das war ihr Tipp. Sie wusste, ich stolperte beim Lesen des Sachverhalts des Öfteren darüber. Und was für ein Glück: Die Betriebsaufspaltung wurde tatsächlich abgeprüft. Ich erkannte diese sofort und wusste damit, wo wichtige Punkte zu holen waren. Nach dieser letzten Klausur war ich einfach nur unendlich froh darüber, durchgehalten zu haben und die Schriftliche nach so vielen Monaten Vorbereitungszeit hinter mir zu haben.

Vorbereitung auf die mündliche StB-Prüfung

Die Wochen nach der schriftlichen StB-Prüfung waren komplett ausgefüllt. Zum einen hatte sich viel Arbeit aufgestaut und zum anderen rückte das Jahresende näher. Außerdem war ich, was ich mir zum damaligen Zeitpunkt aber noch nicht eingestehen wollte, ausgelaugt.

Also „sammelte“ ich die Fernlehrgangsunterlagen (oder besser gesagt, die Kuverts) und nahm mir fest vor, die Weihnachtsferien zum intensiven Lernen zu nutzen. Ein Vorhaben – und dabei blieb es dann auch.

Dann allerdings rüttelte mich der Anruf einer Mitstreiterin aus den Präsenzkursen wach. In München seien die Ergebnisse versendet worden und somit am Samstag, den 4.1.2020 im Briefkasten. So geschah es dann auch – zumindest bei 60 % meiner Kontakte –, aber eben nicht bei mir. Da half es auch nicht, bei der Post nachzufragen und zigmal zum Briefkasten zu laufen. Erleichterung stellte sich erst am 7.1.2020 ein, als endlich der ersehnte Brief eintrudelte. Und tatsächlich: Ich hatte den ersten Schritt gemeistert, war zur mündlichen Prüfung Ende Februar 2020 zugelassen. Bei meiner Vornote war klar, dass ich mich durchaus noch einmal würde ins Zeug legen müssen, aber ein Bestehen war definitiv machbar. Ich bin meiner Kollegin noch heute dankbar dafür, dass sie mich auch in den nächsten Wochen immer wieder motiviert hat, intensiv zu lernen.

BGB war noch viel vom Leistungskurs da, Steuern waren auch präsent und die restlichen Themen aus den Lehrbriefen fasste ich gleich zusammen, um sie komprimiert wiederholen zu können. Ich besuchte zudem für drei Tage einen Intensivkurs zur Vorbereitung auf die mündliche StB-Prüfung in München. Das hat wirklich Spaß gemacht, und zudem war es schön, viele alte Bekannte zu treffen.

In der nächsten Zeit erarbeitete ich mir den Kurzvortrag und übte diesen von Anfang an in Echtzeit (30 Minuten). Konnte ich einen Kurzvortrag nicht halten, arbeitete ich diesen eigenständig nach, um mir die Struktur anzueignen. Ich stellte schnell fest: Ganz gleich, ob ich im Thema sicher war oder nicht, mithilfe dieser Struktur, indem ich also jeden Vortrag gleich au(aute, wurde ich von Tag zu Tag sicherer. Ungefähr 20 Kurzvorträge mussten sich mein Partner und meine Kollegen anhören.

Der Umfang der Gesetzesänderungen 2019/2020 war enorm, aber ich kämpfte mich durch. Pflicht-Einschlaflektüre waren die NWB, die SteuerStud und die DStR. Außerdem stöberte ich regelmäßig auf der Webseite des BMF nach Neuigkeiten. Nebenbei musste ich natürlich auch weiterhin arbeiten. Also begannen die Tage um 5 Uhr morgens und endeten meist spät. Diesmal arbeitete und lernte ich aber etwa gleich viel jeden Tag.

Mündliche Prüfung

Die Nerven lagen blank: So nah und doch so weit entfernt von meinem Ziel und alle Ersparnisse aufgebraucht. Immer dieselben Fragen kreisten permanent durch meinen Kopf: Hat die Vorbereitung (die ich ja wirklich hatte schleifen lassen) doch (wenigstens ein bisschen) gereicht? Wie sind die Prüfer? Und wie sind die Mitprüflinge?

Eigentlich hatte ich mit mündlichen Prüfungen bisher gute Erfahrungen gemacht. Der Schlafmangel der letzten Wochen trug aber wohl zu meiner Unsicherheit und Nervosität bei. Es war noch einmal eine harte Zeit. Aber es hilft nichts: Da muss man einfach durch!

Am Prüfungstag fuhr mich mein Partner zur Steuerberaterkammer. Er würde sich die Zeit bis zur Ergebnisverkündigung vertreiben müssen, da Begleitpersonen nicht gestattet sind. Vor Ort lernte ich meine Mitprüflinge, drei Männer, kennen. Zwei hatten bessere Vornoten, einer etwas schlechter, und alle hatten studiert.

Zunächst wurden wir in den Vorbereitungsraum geführt. Zwei von drei für den Kurzvortrag zur Auswahl stehenden Themen hatte ich mir schon einmal erarbeitet. Und meine „alte Bekannte“ – die Betriebsaufspaltung. Am Tag zuvor hatte ich mir genau diesen Vortrag nochmals intensiv durchgelesen, weil er mir auch für die Fragerunden geeignet erschien. Ich hatte somit alles noch präsent. In der eingeübten Manier schrieb ich also meine Handnotizen runter und musste dabei nicht mehr viel überlegen. Das sollte doch klappen!

Als ich mit dem Kurzvortrag an der Reihe war, kam mir allerdings mittendrin plötzlich kein Wort mehr über meine Lippen. Es war, als ob ich ad hoc vergessen hätte, wie man spricht. Die Prüfungsvorsitzende schaute mich sehr ernst an; nur ein Prüfer lächelte freundlich. Nach einer gefühlten Ewigkeit ging es dann auch wieder, und ich konnte den Vortrag abschließen.

Der erste Eindruck, den ich damit vermittelt hatte, dürfte eine Katastrophe gewesen sein; inhaltlich jedoch sollte es gepasst haben. Außerdem war ich mir sicher, den Vortrag zu kurz gehalten zu haben – übrigens eine Fehleinschätzung, wie sich später herausstellen sollte.

Die Fragerunden habe ich als sehr fair für alle empfunden. Diejenigen mit den besseren Vornoten wurden zum Ende hin weniger geprüft. Bei zwei Antworten patzte ich.

Dann war es endlich vorbei! Allerdings war ich mir in dem Moment sicher, es nicht geschafft zu haben. Doch es sollte ganz anders kommen: Bereits nach zehn Minuten wurden alle Prüflinge hereingebeten, und die Vorsitzende gratulierte uns allen zur bestanden Prüfung. Als ich meine Urkunde in Händen hielt, meinte sie nur, ich wäre heute ihr „Nervenbündel“ gewesen, und sie denke, ich könne viel mehr.

Mit der Urkunde in der Hand kamen mir dann – ich gebe es zu – vor lauter Glück und Erleichterung die Tränen. Und selbst als ich meinem Partner vor der Steuerberaterkammer lachend und weinend um den Hals fiel, konnte ich mein Glück noch nicht fassen.

Auf dem Heimweg hielt ich dann noch meine Telefonliste derjenigen, die sofort Nachricht bekommen sollten, ein. Und selbstverständlich gab es am selben Abend für einen kleinen Kreis einfach etwas zu trinken und Pizza, um ein wenig zu feiern.

Schluss und Dank

„Die Sehnsucht schenkt unserem Handeln Flügel – der Mut lässt sie Wirklichkeit werden“ – mein Status an diesem Tag und meine Motivation ab Februar 2018.

Ich darf nun meinen Traum leben, bin glücklich und zufrieden. Und ich würde für diesen Titel immer wieder alles geben. Es lohnt sich, zu kämpfen – immer und bis zur letzten Minute! Auch ihr, die ihr die Prüfungen noch vor euch habt, könnt es schaffen. Bleibt beharrlich am Ball und gebt nie auf! Dies gilt natürlich auch für diejenigen, die es im letzten Prüfungsturnus leider nicht geschafft haben – und das trotz harter Arbeit und intensiver Vorbereitung. Ich drücke allen die Daumen!

Mein großer Dank gilt meinem „Unterstützungsnetzwerk“ aus Familie, Eltern, Oma und „Schwiegermama“, Chef und Kollegen sowie Freunden. Nur durch die Unterstützung aller ist mein Traum Realität geworden. Steuerberater mit Kindern – dazu braucht es ein großartiges Umfeld!

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Eva Geiger, Steuerberaterin

Eva Geiger, Steuerberater seit Februar 2020 und angestellt bei Dipl.-Oec., StB, WP Richard Becker in Mering.

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