Nachgefragt: StB-Prüfung 2020/2021 – „Glaubt an euch!“

Lesen Sie nachfolgend ein Interview mit Lisa Walter, frisch gebackene Steuerberaterin. Viele Kandidat*innen der Steuerberaterprüfung 2020/2021 haben die Mündliche bereits absolviert – einige müssen allerdings noch Geduld aufbringen. So gibt es dieses Jahr bei manchen Kammern sogar im Mai noch Prüfungstermine – Corona lässt grüßen. Den Kandidat*innen für die nächsten Prüfungstermine möchte Lisa Walter nun Mut machen. So lautet ihre zentrale Botschaft auch: „Glaubt an euch!“. Jedoch ist es damit alleine natürlich nicht getan. Welche Tipps sie dringend empfiehlt, lesen Sie daher im nachfolgenden Interview.

SteuerStud: Liebe Frau Walter, zunächst einmal herzlichen Glückwunsch, Sie haben es geschafft! Wie geht es Ihnen?

Lisa Walter: Vielen Dank! Ich kann es immer noch nicht glauben, dass diese große Hürde jetzt tatsächlich gemeistert ist. Der Plan Steuerberaterin zu werden begleitet mich seit nunmehr acht Jahren und die letzten neun Monate waren ein heftiger Endspurt. Ich bin stolz und erleichtert, dieses Examen im ersten Anlauf „besiegt“ zu haben.

SteuerStud: Wie verlief Ihre Vorbereitung? Welche Tipps möchten Sie weitergeben?

Lisa Walter: Wichtig ist: Reflektiert zunächst genau, welches Vorwissen ihr habt. Findet heraus, wo eure Stärken und Schwächen liegen und baut dahingehend eure Vorbereitung auf. Ich persönlich habe ursprünglich einen juristischen Bachelor absolviert und anschließend Wirtschaftswissenschaften im Master studiert. Danach habe ich in Teilzeit in einer Steuerberatungskanzlei gearbeitet und gleichzeitig meine Promotion im Bilanzsteuerrecht vorangetrieben.

Ich war mir sicher, dass das juristische Gutachtenschreiben und das saubere Subsumieren meine Stärken sind und ich daher gegenüber vielen Praktiker*innen oder Nichtjurist*innen einen klausurtechnischen Vorteil hatte. Gleichzeitig fehlte mir aber die Erfahrung, welche Kandidat*innen aus der praktischen Schiene mitbringen. Daher lag mein Fokus verstärkt auf der fachlichen Wissensvermittlung. Wer die Klausurtechnik und -taktik nicht aufgrund der Vorbildung mitbringt, sollte diese aber verstärkt trainieren; darauf kommt es entscheidend an.

Auch die privaten Rahmenbedingungen und die eigene Leistungsfähigkeit sollte man kritisch hinterfragen. Nach der Geburt meiner Tochter habe ich meine praktische Tätigkeit komplett unterbrochen und in der Elternzeit ausschließlich an der Doktorarbeit gearbeitet. Zwei Tage nach ihrem ersten Geburtstag im Sommer startete ich mit einem viermonatigen Vollzeitkurs, der Corona bedingt im Homeoffice stattfand. Dort wurde mir schnell „der Zahn gezogen“. Der Zeitplan war sehr eng getaktet und aufgrund meines Kleinkindes war schnell klar, dass ich realistischerweise nicht mehr als sechs Stunden pro Tag würde effektiv arbeiten können. Ich habe dennoch jede der 28 Klausuren in Echtzeit geschrieben und eingeschickt. Das Nacharbeiten kam aber regelmäßig zu kurz. In einer Zweiraumwohnung und mit einem Kleinkind, das sich gerade in der Kita-Eingewöhnung befindet, war diese psychische und physische Belastung für mich und meine Familie eine sehr harte Herausforderung, die wir nur gemeistert haben, weil wir ein dichtes soziales Netz an Unterstützer*innen hatten. Während ich permanent das Gefühl hatte, verschwindend wenig fürs Examen zu tun, schüttelte mein Umfeld oft ungläubig den Kopf über meine harte Disziplin, jedes Wochenende diese sechsstündigen Klausuren zu schreiben. Wir alle hatten den Aufwand unterschätzt.

Im Examen habe ich jeden Tag alles gegeben. Die Klausuren waren auch körperlich sehr anstrengend. Nach den Klausuren war ich aber entspannt mit anderen Prüflingen essen und habe mir nur kurz die NWB SteuerStud-Tipps für den nächsten Tag angesehen, welche sehr hilfreich waren. So ging ich ausgeruht und gestärkt in jede Klausur.

SteuerStud: Würden Sie rückblickend etwas anders machen?

Lisa Walter: Ich würde mich wieder für den kurzen, aber harten Weg entscheiden! Jedoch wäre es ohne Kind um ein Vielfaches einfacher gewesen. Außerdem würde ich mehr Zeit für die Nacharbeit der Klausuren einkalkulieren. Die eigenen Fehler zu reflektieren sowie die Standards zu trainieren, bietet die nötige Sicherheit in der Klausur.

SteuerStud: Welche Pläne haben Sie für die Zukunft?

Lisa Walter: Erstmal wird jetzt noch die Dissertation abgeschlossen und dann hoffe ich bald auf eine spannende Anstellung als promovierte Steuerberaterin.

SteuerStud: Herzlichen Dank für das Interview! Wir wünschen Ihnen alles erdenklich Gute für Ihre berufliche und private Zukunft.

Lisa Walter: Ihnen auch herzlichen Dank! Allen nachfolgenden Kandidat*innen viel Durchhaltevermögen und Erfolg! Glaubt an euch!

 

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