Menü

Fachinformationen | 27.06.2019

Zur Gemeinnützigkeit von Vereinen

Rudern

Mit Urteil vom 10. Januar 2019 (V R 60/17) hat der BFH dem Trägerverein der globalisierungskritischen Organisation Attac wegen tagespolitischem Aktivismus die Gemeinnützigkeit aberkannt.

Gemeinnützig ist im Steuerrecht die Verfolgung der in § 52 AO ausdrücklich genannten Zwecke; hierzu gehört nicht die Verfolgung politischer Absichten. Nach dem Urteil des BFH ist für die zur Volksbildung gehörende politische Bildung wesentlich, politische Wahrnehmungsfähigkeit und politisches Verantwortungsbewusstsein zu fördern. Dabei können auch Lösungsvorschläge für Problemfelder der Tagespolitik erarbeitet werden. Politische Bildungsarbeit setzt aber ein Handeln in geistiger Offenheit voraus. Daher ist eine Tätigkeit, die darauf abzielt, die politische Willensbildung und die öffentliche Meinung im Sinne eigener Auffassungen zu beeinflussen, nicht als politische Bildungsarbeit gemeinnützig.

Allerdings dürfen sich Körperschaften nach ständiger BFH-Rechtsprechung zur Förderung ihrer nach § 52 AO steuerbegünstigten satzungsmäßigen Zwecke in gewissen Grenzen auch betätigen, um z.B. zur Förderung des Umweltschutzes Einfluss auf die politische Willensbildung und die öffentliche Meinung zu nehmen.

Ein Verlust der Gemeinnützigkeit führt insbesondere dazu, dass keine Spendenbescheinigungen (Bestätigungen über nach § 10b Abs. 1 EStG als Sonderausgaben abziehbare Zuwendungen) ausgestellt werden dürfen. Der endgültige Ausgang des Verfahrens kann auch für die steuerrechtliche Beurteilung des Klägers in Folgejahren von Bedeutung sein.

Mehr zum Thema Vereinsbesteuerung erfahren Sie im Praxis-Ratgeber für Vorstände und Berater von Vereinen: Steuerrecht der Vereine

 

Blättern in der Kategorie: Fachinformationen