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Fachinformationen | 22.07.2019

Ergebnisse der StB-Prüfung 2018/2019 – Erfolgsquote deutlich gestiegen

Examen

Die Bundessteuerberaterkammer hat die Statistik der Steuerberaterprüfung 2018/19 veröffentlicht. Das Positive vorweg: Die Erfolgsquote ist von 50,5 % auf 57,5 % angestiegen. Viel interessanter sind allerdings die Erkenntnisse, die Andreas Wellmann (Geschäftsführer der Steuerlehrgänge Dr. Bannas GmbH) aus der Betrachtung der Noten in den einzelnen Klausuren, der Anzahl der Versuche und der Berufsgruppen gewinnt:

Die Ergebnisse der Steuerberaterprüfung 2018/19 sind veröffentlicht und es lassen sich einige zu erwartende, aber auch einige unerwartete Schlüsse daraus ziehen. Zunächst einmal ist festzustellen, dass die Erfolgsquote wieder auf ein „normales“ Maß angestiegen ist (Quelle aller nachfolgend angegebenen Zahlen und Erfolgsquoten: Bundessteuerberaterkammer). 63,4 % der Kandidaten, die die Prüfung beendet haben, haben die schriftliche Prüfung bestanden (im Vorjahr nur 56,3 %) und 57,5 % haben die Gesamtprüfung bestanden (50,5 % im Vorjahr). Die Kandidatenzahl ist leicht gesunken, was zu erwarten war, da es in der Prüfung 2017/18 durch die sehr hohe Durchfallquote der Prüfung 2016/17 eine hohe Zahl an Wiederholern gab. Grundsätzlich bewegen sich die Kandidatenzahlen weiterhin auf einem zu niedrigen Niveau, um die Anzahl der Berufsträger in der Branche langfristig zu erhalten.

Interessant ist, dass die Durchfallquote der mündlichen Prüfung gestiegen ist, was aus meiner Sicht mit der niedrigen Durchfallquote der schriftlichen Prüfung zu erklären ist. Dies entspricht meiner persönlichen Erfahrung der letzten 20 Jahre, wonach eine geringe Durchfallquote in der schriftlichen Prüfung fast immer eine höhere Durchfallquote in der mündlichen Prüfung nach sich gezogen hat. Dieser Zusammenhang wird allerdings von allen mir bekannten Prüfern regelmäßig dementiert. Warum auch immer, gilt dieser Zusammenhang langfristig nicht im Kammerbezirk München. Dort ist in der Regel eine vergleichsweise niedrige Durchfallquote in der schriftlichen Prüfung zu verzeichnen, die Gesamtquote am Ende bewegt sich aber immer im Bundesdurchschnitt. Neben regionalen Unterschieden (siehe Tabelle) sind noch einige weitere strukturelle Ergebnisse interessant:

Noten in den einzelnen Klausuren: In der Verfahrensrechts-Klausur haben 60,3 % eine Note von 4,5 und besser, bei der ErtragSt-Klausur waren es 66,1 % und bei der Bilanz-Klausur am letzten Tag sogar 77,8 %. Dass die Verfahrensrechts-Klausur die schlechtesten Ergebnisse aufweist, ist nicht überraschend. Der Umfang der Klausur ist viel zu groß und der üblicherweise sehr komplexe AO-Sachverhalt ist für Kandidaten in Anbetracht der sehr angespannten Situation dann kaum zeitgerecht zu erfassen. Hier täte das bayrische Finanzministerium gut daran (die Verfahrensrechts-Klausur wird dort erstellt), die Situation ein wenig zu entschärfen.

Überraschend sind für mich die Ergebnisse mit Blick auf die Anzahl der Versuche der Kandidaten. 71,4 % der Kandidaten, die die Prüfung beendet haben, waren im ersten Versuch, 22,2 % im zweiten und 6,3 % im dritten Versuch. Wenn man bedenkt, dass es im letzten Jahr 2.125 Kandidaten gab, die die Prüfung nicht bestanden haben (+ Rücktritte) und 2018 insgesamt 5.292 Kandidaten zur Prüfung zugelassen wurden und dann auch 4.720 teilgenommen haben, bedeutet dies, dass ein nicht unerheblicher Teil der Kandidaten aus dem letzten Jahr, die Prüfung nicht wiederholt. Ein geringer Teil darf natürlich nicht wiederholen (Dritter Versuch), aber es gehen selbstverständlich zahlreiche zukünftige Steuerberater verloren, wenn die Kandidaten schon nach dem ersten oder zweiten Versuch aufgeben. Die Rücktrittsquote vor und während der Prüfung steigt übrigens von 8 - 9 % im ersten Versuch auf knapp 26 % im dritten Versuch. Das ist natürlich nicht überraschend, denn die negativen Konsequenzen eines Fehlversuches nehmen logischerweise zu.

Noch überraschender sind für mich aber die unterschiedlichen Erfolgsquoten Dies sind 58 % im ersten Versuch, 54 % im zweiten Versuch und 64 % im dritten Versuch. Ich finde es erstaunlich, dass die Erfolgsquote im zweiten Versuch niedriger ist als im ersten und dritten Versuch. Dies lässt sich übrigens ausschließlich auf die Ergebnisse der mündlichen Prüfung zurückführen, denn nach der schriftlichen Prüfung sind die Erfolgsquoten im ersten und zweiten Versuch identisch. Und: Der dritte Versuch lohnt sich scheinbar!

Wenig überraschend sind dagegen die unterschiedlichen Erfolgsquoten nach Berufsgruppen bzw. Praxiszeit. In der folgenden Tabelle sehen Sie die Zulassungszahlen und Erfolgsquoten.

Tabelle

Die Erfolgsquoten bei Master- (wahrscheinlich inkl. Juristen) und Bachelor-Absolventen unterscheiden sich nur marginal. Dies erscheint insofern erstaunlich als doch die meisten Master-Absolventen mit großer Wahrscheinlichkeit in ihrem Masterprogramm einen Steuerschwerpunkt hatten. Allerdings sind die Inhalte der meisten Masterprogramme nicht auf die für die Steuerberaterprüfung relevanten Inhalte und die notwendige Klausurtechnik ausgelegt (es gibt aber Ausnahmen). U.U. schätzen einige Kandidaten ihre Kenntnisse durch einen erfolgreichen Steuermaster auch falsch in Bezug auf die Steuerberaterprüfung ein.

Nicht überraschend ist natürlich das gute Abschneiden der Kandidaten aus der Finanzverwaltung und der Steuerfachwirte. Dass Bilanzbuchhalter trotz der zusätzlichen Qualifikation relativ schlecht abschneiden, ist wohl der Tatsache geschuldet, dass in der Bilanzbuchhalterausbildung zwar intensiv Bilanzierungs- und Rechnungswesenthemen unterrichtet und gelernt werden, die meisten Steuerarten aber im Gegensatz zur Steuerfachwirtausbildung doch eher stiefmütterlich behandelt werden. Und das sehr schlechte Abschneiden der Steuerfachangestellten unterstützt meine Empfehlung, immer erst die Steuerfachwirtprüfung zu absolvieren.

Fazit

Nach einigen unangenehmeren Jahren sind wir wieder im unteren Bereich der Durchfallquoten angelangt (schriftlich 30 - 40% und nach der mündlichen 40 - 50%). Daher lässt sich in 1 - 2 Jahren mit einem Anstieg rechnen, da nicht zu erwarten ist, dass die Finanzministerien die Prüfungsklausuren vereinfachen oder andere Maßstäbe für die Bewertung heranziehen. Es wird daher immer mehr zum Problem ausreichend Nachwuchs für den Berufsstand aufzubauen.

Ergebnisse der StB-Prüfung 2018/2019 ansehen (PDF-Datei)


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