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Fachinformationen | 04.07.2018

Kunstsammlung im Erbschaftsteuerrecht

Kunstsammlung im Erbschaftsteuerrecht
Konnten Kunstsammler ihre Sammlungen bisher unter bestimmten Voraussetzungen erb- und schenkungsteuerfrei z. B. auf die nächste Generation übertragen, zählen Sammlungen seit dem 1.7.2016 bei Großerwerben von mehr als 26 Mio. € zum verfügbaren Vermögen, mit dem die Steuer auf das Betriebsvermögen zu zahlen ist. Soll eine Kunstsammlung erhalten bleiben, empfiehlt sich, diese vor dem Übertragungsstichtag in eine hierfür zu errichtende gemeinnützige Stiftung einzubringen. Damit und aus weiteren erbschaft-/schenkungsteuerlichen wie auch ertragsteuerlichen Gründen stellt der Aufbau einer Kunstsammlung ein spannendes Vehikel für die wertmäßig unbegrenzte Umschichtung potenziell mit Erbschaft-/Schenkungsteuer belasteten Vermögens in steuerfreies Vermögen dar, insbesondere für Hochvermögende, die abseits volatiler Kapitalmärkte und sich abzeichnender Immobilienblasen Kunst als lukrative und bei entsprechender Expertise als wertstabile Anlageform entdeckt haben.

Aufbau einer steuerbefreiten Kunstsammlung
Damit Gestaltungsüberlegungen greifen können, bedarf es zunächst des Aufbaus einer Kunstsammlung, die als solche seitens der Finanzverwaltung anerkannt wird. Hierzu ist grundsätzlich eine langfristige und meist aufwendige Planung mit nicht unwesentlichen Dokumentationspflichten im Rahmen einer Beweisvorsorge anzuraten.

Bei einem langfristig konzipierten Sammlungsaufbau und bereits existierenden Kunstwerken empfiehlt sich für den Steuerpflichtigen, die Grundsatzentscheidung zu treffen, mit welchen Bestandswerken er seine Sammlung aufbauen möchte. Für die nicht in die Sammlung passenden Kunstwerke kann er für den Fall, dass die Einbringung einzelner Werke in eine bereits errichtete gemeinnützige Stiftung z. B. zu Lebzeiten nicht gewünscht wird, ggf. die Steuerbefreiungen für Hausrat und Gelegenheitsgeschenke nach § 13 Abs. 3 Satz 1 ErbStG bzw. den 60%igen Abschlag nach § 13 Abs. 1 Nr. 2 Buchst. a ErbStG in Anspruch nehmen – soweit die entsprechenden Voraussetzungen vorliegen.

Sammlungsprägendes Leitmotiv
Damit aus einer Ansammlung einzelner Kunstwerke eine Kunstsammlung i. S. des ErbStG wird, bedarf es stets eines sammlungsprägenden Leitmotivs (so BFH, Urteil v. 12.5.2016 - II R 56/14). An das Auswahlkriterium dürfen keine strengen wissenschaftlichen Maßstäbe gestellt werden. Eine numerische Untergrenze existiert nicht. Damit kann bereits bei einer geringen Anzahl von Einzelstücken in Abhängigkeit von ihrer Seltenheit und ihres Wertes von einer Sammlung gesprochen werden (vgl. Heuer/von Cube, ZEV 2013 S. 641). Der BFH hat beispielsweise bei 19 Kunstwerken im Wert von insgesamt 9,665 Mio. € eine bedeutende Sammlung des Expressionismus angenommen (Marfels, ErbStB 2016 S. 229 bis 231). In der Literatur wird bereits bei wenigen bayerischen Bauernschränken des 18. Jahrhunderts eine Kunstsammlung angenommen. Im Gegensatz dazu sollen 50 Porzellantassen noch keine Sammlung ausmachen, wohl aber, wenn es sich um Meißner Porzellan der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts handelt (so Heuer/von Cube, ZEV 2013 S. 641 unter Verweis auf Wolff-Diepenbrock, DStR 1987, Beilage zu Heft 12 S. 1).

Fazit
Der Aufbau und die spätere Überführung einer stiftungsreifen Kunstsammlung bzw. die sukzessive Überführung einzelner Kunstwerke in eine gemeinnützige Stiftung können ein spannendes erbschaft-/schenkungsteuerliches sowie ertragsteuerliches Vehikel sein. Es bedarf aber eines langen Atems und eines planvollen Handelns auf der Grundlage eines Gesamtkonzepts, um die steuerlichen Vorteile tatsächlich auch zu „heben“. Bei bereits stiftungsreifen Kunstsammlungen ist zu prüfen, ob ggf. Nacherklärungsverpflichtungen nach § 153 bzw. § 371 AO aufgrund der Mittelherkunft für den Erwerb der einzelnen Kunstwerke existieren.

Der Beitrag „Gestaltungsempfehlungen bei Aufbau und Übertragung von Kunst“ von Marcus Hornig und Stefan May, der in NWB-EV 5/2018 S. 155 erschienen ist, unterstützt Sie mit Expertenwissen und zahlreichen Praxishinweisen.

Lesen Sie hier den kompletten Beitrag in der NWB Datenbank

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