Aktuelle regulatorische Entwicklungen im Kontext der nichtfinanziellen Berichterstattung

Aufsatz von Oliver Scheid und Mag. (FH) Josef Baumüller, StuB 8/2020 S. 308

Durch die nichtfinanzielle Berichterstattung werden sowohl die berichtspflichtigen Unternehmen selbst als auch deren Berichtsadressaten vor Herausforderungen gestellt. Doch wurde schon anlässlich der Veröffentlichung der CSR-Richtlinie (2014/95/EU) [1] im Oktober 2014 kritisch hinterfragt, ob und inwieweit die Erwartungen dieser Stakeholder dadurch tatsächlich befriedigt werden können. Kritisch sind dabei v. a. die Gestaltungsmöglichkeiten, die sich im Rahmen der Aufstellung und Prüfung nichtfinanzieller Berichtsformate ergeben, was insbesondere mit der vom Unternehmen verfolgten Bilanzpolitik direkt zusammenhängt und hier neue Möglichkeiten eröffnet.

Um die Ermessensspielräume bei den Unternehmen im Kontext der CSR-Richtlinie einzudämmen und damit im Ergebnis die Vergleichbarkeit und Entscheidungsnützlichkeit der vorgelegten Berichterstattungen zu erhöhen, hat die EU-Kommission bereits im Jahr 2017 (unverbindliche) Leitlinien zur nichtfinanziellen Berichterstattung sowie zwei Jahre später einen dazugehörigen Nachtrag zur klimabezogenen Berichterstattung veröffentlicht – was die Kritik an den regulatorischen Vorgaben auf europäischer Ebene allerdings nicht weniger werden ließ. Zuletzt wurde durch den europäischen Gesetzgeber daher verlautbart, die CSR-Richtlinie in absehbarer Zeit grundlegend zu überarbeiten. Unabhängig davon ist in der jüngeren Vergangenheit vermehrt zu beobachten, dass sich Bemühungen verschiedener Standardsetter, Institute oder anderer Nichtregierungsorganisationen materialisieren, den Unternehmen konkrete Hilfestellungen zu leisten oder gar Vorgaben zu formulieren, die den Rahmen der CSR-Richtlinie ergänzen oder erweitern.

Der Beitrag gibt zunächst einen Überblick über die momentan vorherrschenden Kernprobleme, die im Kontext der nichtfinanziellen Berichterstattung festzustellen sind. Im Anschluss soll aufgezeigt werden, in welchem Stadium sich die nunmehr konkret geplante Überarbeitung der CSR-Richtlinie befindet. Darauf aufbauend widmet sich der Beitrag den derzeit besonders relevanten Initiativen von Standardsetzern und weiteren Akteuren auf dem Gebiet der nichtfinanziellen Berichterstattung im europäischen Raum. Abschließend sollen die vorher aufgezeigten Aspekte der nichtfinanziellen Berichterstattung kritisch gewürdigt und ein abschließendes Fazit gezogen werden.

Die Kernaussagen lauten:

  • Die Praxis der nichtfinanziellen Berichterstattung leidet unter teils defizitbehafteten Umsetzungen der gesetzlichen Vorgaben. Diese sind jedoch zu einem wesentlichen Maße Unklarheiten auf Ebene der Berichtspflichten selbst geschuldet. Darüber hinaus vermag es der Rahmen der CSR-Richtlinie nicht, ein konsistentes Berichtskonzept vorzulegen – und bietet den Mitgliedstaaten ein (zu) großes Maß an Wahlmöglichkeiten.
  • Die im Februar 2020 veröffentlichte Konsultation der EU-Kommission zur Weiterentwicklung der CSR-Richtlinie deutet auf ein ausgeprägtes Problembewusstsein hin. Obwohl lediglich ein Fragenkatalog vorgelegt wird, lässt sich aus dessen Zusammensetzung bereits auf konkrete Überlegungen seitens der EU-Kommission schließen. Es ist zu erwarten, dass Wahlrechte reduziert und inhaltliche Berichtspflichten konkretisiert werden. 
  • Zwischenzeitlich lässt sich eine Vielzahl an weiteren Initiativen seitens verschiedener Standardsetzer feststellen, die Leitlinien, Empfehlungen o. Ä. formulierten, um so die Lücken im gegenwärtigen Normenrahmen zu schließen. Diese rücken v. a. die Aspekte der Klimaberichterstattung als Schnittmenge zur nichtfinanziellen Berichterstattung sowie das Integrated Reporting als mögliche Zukunftsperspektive hierfür in den Vordergrund und illustrieren im Besonderen den Bedarf seitens der Praxis nach klaren, belastbaren Berichtsvorgaben.
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