Ein neuer IAS 1 – Erläuterung von und Stellungnahme zu ED/2019/7 „General Presentation and Disclosures“

Aufsatz von Prof. Dr. Carsten Theile und Laura Hegenberg, PiR 5/2020 S. 151

Den von Finanzanalysten geworfenen Ball nimmt das IASB auf und schlägt mit dem Entwurf eines neuen IAS 1 (vermutlich wird der neue Standard eine IFRS-Nummerierung tragen) erhebliche Änderungen an der GuV und erweiterte Anhangangaben vor mit dem Ziel, die zwischenunternehmerische Vergleichbarkeit in der Berichterstattung zu verbessern:

  • Eingeführt wird eine Erfolgsspaltung in die drei Bereiche operativ, Investition und Finanzierung, neben denen die bestehenden Ergebnisse aus Steuern und IFRS 5 unverändert treten. Die Begrifflichkeit der drei neuen Bereiche stimmt mit denen aus der Kapitalflussrechnung überein, umfasst aber inhaltlich andere Sachverhalte. Eine Detailgliederungsvorgabe erhalten weder die GuV noch die Kapitalflussrechnung.
  • Ermessensspielräume bzw. Diskussionsbedarf auf Regelungsebene bestehen in der Qualifikation der „Hauptgeschäftsaktivitäten“ eines Konzerns. Diese Qualifikation kann dazu führen, dass Aufwendungen und Erträge, die ansonsten Investition oder Finanzierung wären, als operativ ausgewiesen werden müssen. Zuordnungsfragen bestehen darüber hinaus im Detail.
  • Die neue GuV soll eine verbesserte Performance-Messung ermöglichen. Dazu soll auch beitragen, dass GuV-basierte Leistungskennzahlen (MPMs) im Anhang zu erklären sind. Allerdings ist die Abgrenzung dessen, was überhaupt MPMs sind, sehr eng, und eine Verpflichtung, andere im Abschluss verwendete Leistungskennzahlen zu erläutern, besteht nicht.
Auf der Erstellerseite werden die Neuerungen ganz sicher zu erheblichen Anpassungen der Buchhaltungs- und Bilanzierungssysteme führen und damit zu Mehrkosten. Darüber hinaus ist nicht auszuschließen, dass über die Verwendung mancher Leistungsindikatoren neu nachgedacht wird.
Insgesamt scheinen die Neuerungen geeignet, die Vergleichbarkeit zwischen Unternehmen und damit auch die Finanzmarktkommunikation zu verbessern. Die Kommentierungsfrist des ED/2019/7 bis zum 30.9.2020 sollte gleichwohl von Unternehmen genutzt werden, um ihre Interessen zu wahren und mindestens mögliche Schwachstellen der vorgeschlagenen Änderungen in ihrem Umfeld herauszuarbeiten und zu adressieren.
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