Nachtragsbericht: Auswirkungen der Corona-Krise auf die Abschlussprüfung

Aufsatz von WP/StB Prof. Dr. Christian Hanke, WP Praxis 5/2020 S. 147

I. Sachverhalt 

Eine mittelgroße GmbH hat den Jahresabschluss zum 31.12.2019 Ende März aufgestellt. Zu diesem Zeitpunkt hat die Bundesregierung bereits Schulen, Hochschulen, Gastronomiebetriebe geschlossen und Ausgangsbeschränkungen erlassen. 

II. Fragestellung 

Welche Besonderheiten ergeben sich aus Sicht des Abschlussprüfers im Zusammenhang mit der Angabe von Vorgängen von besonderer Bedeutung, die nach dem Schluss des Geschäftsjahres eingetreten sind (§ 285 Nr. 33 HGB)? 

III. Lösungshinweise 

1. Voraussetzungen für den Nachtragsbericht 

In § 285 Nr. 33 HGB (Nachtragsbericht) ist die Pflicht zur Angabe von Vorgängen nach dem Abschlussstichtag kodifiziert. Davon sind ausschließlich Vorgänge erfasst, die von besonderer Bedeutung sind. Eine Angabepflicht entfällt, sofern die Vorgänge bereits in der GuV oder der Bilanz berücksichtigt worden sind. Folglich handelt es sich hierbei um wertbegründende (und nicht um werterhellende) Vorgänge.

Ein besonderer Vorgang ist gegeben, falls bedeutsame Entwicklungen und Tendenzen im neuen Geschäftsjahr bis zur Aufstellung des Jahresabschlusses tatsächlich eingetreten sind, welche das durch den Abschluss vermittelte Bild der Vermögens-, Finanz- und Ertragslage wesentlich beeinflussen und die Einschätzung der Abschlussadressaten ändern würden. 

Ist die Regelung des § 285 Nr. 33 HGB einschlägig, sind die Art und die finanziellen Auswirkungen im Anhang anzugeben. Sofern kein besonderer Vorgang vorliegt, ist eine Angabe nicht verpflichtend. Eine Fehlanzeige ist nicht zu tätigen. Kleine Unternehmen sind von der Angabepflicht befreit (§ 288 Abs. 1 Nr. 1 HGB). 

2. Angabepflicht aufgrund der Corona-Krise 

Die Corona-Krise ist zweifelsohne ein einschneidendes Ereignis. Dies gilt für die private Sphäre ebenso wie für die wirtschaftliche. Jedoch ist aufgrund der derzeitigen Situation nicht bei jedem Unternehmen zwingend eine Angabe erforderlich. Es ist zu prüfen, ob die momentane Lage sich tatsächlich auf das folgende Geschäftsjahr erheblich auswirkt.

Die Einschränkungen betreffen jedoch viele Unternehmen. Beispielsweise können Gastronomien aufgrund der verordneten Schließung keine Umsätze tätigen, was insbesondere in den umsatzstarken Monaten März und April die Ertragslage besonders beeinflusst. Aber auch bei den Zulieferern, wie Getränkehändlern, fallen die entsprechenden Lieferungen weg. 

In diesen Fällen liegt unstreitig ein besonderer Vorgang vor, über den im Nachtragsbericht zu berichten ist. Darüber hinaus ist die Auswirkung auch im Lagebericht entsprechend darzustellen. 

3. Besonderheiten bei der Abschlussprüfung

Vorgänge von besonderer Bedeutung nach Schluss des Geschäftsjahres lagen bei vielen Unternehmen nicht vor, so dass diese Angabe zu Recht nicht in den Anhängen der Vorjahresabschlüsse zu finden war. Teilweise sind bei mittelständischen Unternehmen Anhang-Checklisten vorhanden, während andere Unternehmen den Anhang getreu dem Motto „Hoch lebe das Vorjahr“ erstellen. In diesen Fällen und auch bei der Verwendung von Checklisten zur Vollständigkeit von Anhangangaben besteht die Gefahr, dass die Angabe gem. § 285 Nr. 33 HGB nicht gemacht wird. 

Bei dem Nachtragsbericht handelt es sich um eine originäre Anhangangabe. Diese ist wesentlich. Das Unterlassen einer wesentlichen Angabe würde dazu führen, dass der Bestätigungsvermerk eingeschränkt werden müsste.

Doch auch in der Abschlussprüfung besteht trotz Vorliegen von Anhang-Checklisten das Risiko, dass diese Angabepflicht übersehen wird. Ist dies der Fall, wird ceteris paribus ein falscher Bestätigungsvermerk erteilt. 

Von daher gewinnt die Prüfung des Vorhandenseins der Angabe von Vorgängen von besonderer Bedeutung durch die Corona-Krise eine enorme Relevanz. Hierauf ist in der momentanen Prüfungssaison ein besonderes Augenmerk zu werfen.

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