Auswirkungen der Corona-Krise auf die Prüfung von Jahresabschluss und Lagebericht bei Non-PIE

Aufsatz von WP/StB Prof. Dr. Holger Philipps, WP Praxis 5/2020 S. 125

I. Aktualität und Bedeutung des Themas 

Das neuartige Coronavirus sorgt mit seiner gegenwärtigen pandemischen Ausbreitung weltweit für bislang noch nie dagewesene Einschränkungen im wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Leben. Das stellt Unternehmen nicht nur bei Erstellung des Jahresabschlusses und des Lageberichts sowie Abschlussprüfer bei deren Prüfung vor bisher nicht bekannte Herausforderungen.

Angesichts der Ausbreitungsdynamik, der Schwierigkeit, sich vor einer Übertragung zu schützen und der Gefährlichkeit der Krankheit, ergriffen und ergreifen Regierungen und nationale Behörden Maßnahmen, die das öffentliche Leben stark einschränken und auch die internationale Wirtschaft stark negativ beeinträchtigen. Meldungen über (vorübergehende) Ein- und Ausreisestopps, Schließungen von Landesgrenzen, Häfen, öffentlichen Einrichtungen aller Art oder gastronomischen Betrieben u. a., Absage von Messen und Veranstaltungen aller Art sowie sportlichen Wettbewerben (im hochbezahlten Profi- sowie im Amateur- und Breitensport), Ausdünnung des Flug- und Bahnverkehrs usw. bestimmen die täglichen Nachrichten. In der Zeit von Mitte Februar bis Mitte März 2020 verlor der Leitindex der größten deutschen börsennotierten Unternehmen DAX rd. 35 % seines Wertes. Ein Ende der beschriebenen Entwicklungen ist aktuell nicht absehbar.

Am 4.3.2020 veröffentlichte das IDW einen ersten fachlichen Hinweis „Auswirkungen der Ausbreitung des Coronavirus auf die Rechnungslegung zum Stichtag 31.12.2019 und deren Prüfung.“

Dem folgte am 25.3.2020 ein zweiter fachlicher Hinweis „Auswirkungen der Ausbreitung des Coronavirus auf die Rechnungslegung und deren Prüfung (Teil 2)“. Darin werden u. a. auch die Auswirkungen auf Abschlüsse und Lageberichte für nach dem 31.12.2019 endende Berichtsperioden behandelt und ausführlichere Hilfestellungen zum Prüfungsprozess als im ersten fachlichen Hinweis des IDW dazu vom 4.3.2020 gegeben. 

Am 8.4.2020 ließ das IDW die Veröffentlichung von „Zweifelsfragen zu den Auswirkungen der Ausbreitung des Coronavirus auf die Rechnungslegung und deren Prüfung (Teil 3)“ folgen. Darin werden u. a. die Auswirkungen von Heimarbeit („Homeoffice“) beim zu prüfenden Unternehmen oder der Einsatz von Videotechnologie zur Erlangung von Prüfungsnachweisen über Beobachtungen thematisiert. 

Darüber hinaus veröffentlicht die WPK eine fortlaufend aktualisierte Zusammenstellung „Coronavirus – Fragen und Antworten“. Darin bündelt die WPK zahlreiche Informationen zu den Auswirkungen dieser Pandemie auf die Berufsausübung, u. a. auch Antworten auf Anfragen aus dem Mitgliederkreis.

II. Kernaussagen 

  • Die weltweit pandemische Ausbreitung des neuartigen Coronavirus und die zu dessen Eindämmung durch staatliche bzw. politische Akteure getroffenen Maßnahmen können die Abschlussprüfung in allen Phasen des Prüfungsprozesses beeinflussen. Der prüferische Umgang damit erfordert aber keine neuen, sondern die situativ sachgerechte Anwendung bestehender Grundsätze und Regelungen. 
  • Verstärkte „Homeoffice“-Tätigkeit beim zu prüfenden Unternehmen, erhöhte Unsicherheiten bei der Bewertung von Vermögensgegenständen oder Reise- und Kontaktbeschränkungen begründen ein Überdenken bisheriger Risikobeurteilungen und prüferischer Reaktionen darauf bis hin zum verstärkten Einsatz digitaler Technik oder digitaler Methoden sowie Nutzung elektronischer Unterlagen. Um die Verlässlichkeit der so erlangten Prüfungsnachweise zu sichern, sind darauf ggf. gesonderte Prüfungshandlungen zu richten. 
  • Infolge Pandemie-bedingter wirtschaftlicher Schwierigkeiten werden nicht selten auch bedeutsame Zweifel an der Fortführung des zu prüfenden Unternehmens gegeben sein. Zur Sicherung der Unternehmensfortführung kommen auch bereitgestellte staatliche Stützungsmaßnahmen in Betracht. Darauf gerichtet ist u. a. zu prüfen, ob die jeweiligen Voraussetzungen erfüllt und die Stützungsmaßnahmen auch beantragt worden sind.
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