Abschlussprüferhonorare bei deutschen kapitalmarktorientierten Unternehmen

Aufsatz von Michael Dimmer, M.Sc., WP Praxis 5/2020 S. 141

I. Hintergrund 

Abschlussprüfer sind gem. § 2 Abs. 1 Satz 2 der BS WP/vBP zur wirtschaftlichen Unabhängigkeit gegenüber jedermann verpflichtet. Dies wird jedoch aufgrund zahlreicher Bilanzskandale von der Öffentlichkeit hinterfragt und angezweifelt.

Vor allem eine umfangreiche Beratungstätigkeit des Abschlussprüfers gilt als Indiz für eine finanzielle Abhängigkeit. Um dem entgegenzuwirken und das Vertrauen in die Abschlussprüfung zu stärken, wurde erstmals durch das Bilanzrechtsreformgesetz die gesetzliche Pflicht zur Offenlegung der Abschlussprüferhonorare eingeführt. 

Aufgrund von Unklarheiten bezüglich der Zuordnung der Einzelleistungen in die jeweiligen Leistungskategorien veröffentlichte das IDW den RS HFA 36 n. F. Durch die Präzisierung der Kategorien leistet der Standard einen bedeutsamen Schritt in Richtung Einheitlichkeit und Vergleichbarkeit der ausgewiesenen Honorarangaben. 

Neben diesem Rechtskreis sind aber auch die europäischen Reformmaßnahmen zur Stärkung der Unabhängigkeit von Abschlussprüfern relevant. 

Die Verordnung (EU) Nr. 537/2014 vom 16.4.2014 (im Folgenden: EU-VO) sieht vor, erlaubte Nichtprüfungsleistungen auf eine Obergrenze zu beschränken. Ferner veröffentlichte die EU einen Katalog mit bestimmten Nichtprüfungsleistungen (sog. Blacklist), die grundsätzlich nicht vom Abschlussprüfer erbracht werden dürfen. 

Die vorliegende Studie analysiert die Zusammensetzung der Abschlussprüferhonorare der Jahre 2013 bis 2018 für alle im regulierten Markt der Frankfurter Wertpapierbörse gelisteten deutschen Unternehmen. Die in der Neufassung des IDW RS HFA 36 enthaltenen Konkretisierungen wirken sich teilweise deutlich auf die Honorarangaben aus. Darüber hinaus lassen die Analysen Rückschlüsse auf zukünftigen Handlungsbedarf von Unternehmen zur Einhaltung der europäischen Obergrenze für erlaubte Nichtprüfungsleistungen zu.

II. Kernaussagen 

  • Das sog. 70 %-Cap beschränkt erlaubte Nichtprüfungsleistungen auf 70 % der durchschnittlichen Abschlussprüfungsleistungen der letzten drei aufeinanderfolgenden Geschäftsjahre. 
  • Der Anteil der Nichtprüfungsleistungen am Gesamthonorar ist in den letzten Jahren deutlich zurückgegangen.
  • Für einige Unternehmen besteht noch Nachbesserungsbedarf, um die ab 2020 geltende Honorarobergrenze einhalten zu können.

III. Zusammenfassung 

Die Studie analysiert die Honorarangaben aller deutschen kapitalmarktorientierten Unternehmen, die im regulierten Markt der Frankfurter Wertpapierbörse gelistet sind. Die Daten stammen aus den Jahren 2013 bis 2018. Es wird gezeigt, dass der Index bzw. das Transparenzlevel der Unternehmen einen Einfluss auf die Honorarzusammensetzung haben. Ebenso lassen sich Einflüsse aufgrund der Branche aufzeigen. Insgesamt sinkt der Anteil der Nichtprüfungsleistungen am Gesamthonorar. 

Mit Ausblick auf die neue EU-Verordnung lässt sich feststellen, dass für einige Unternehmen noch Nachbesserungsbedarf besteht, um das 70 %-Cap im Jahr 2020 einhalten zu können. Eine nicht zu vernachlässigende Zahl von Unternehmen wird die Pflicht zur Einhaltung der Honorarobergrenze umgehen, z. B. aufgrund eines Prüferwechsels, weshalb nicht ausgeschlossen werden kann, dass Unternehmen dieses Mittel gezielt zur Einhaltung des 70 %-Cap einsetzen. Von den bereits beschriebenen Gestaltungsmöglichkeiten wird im ersten Jahr insbesondere die Ausnahmenregelung des § 319a Abs. 1a HGB, die das 70 %-Cap für die Dauer von einem Geschäftsjahr auf 140 % anhebt, betroffenen Unternehmen zusätzliche Zeit zur Einhaltung der Honorarobergrenze verschaffen. 

Es muss weiterhin beachtet werden, dass die Anwendung der Werte des § 314 Abs. 1 Nr. 9 HGB auf das ab 2020 anzuwendende 70 %-Cap nicht ohne weitere Überlegungen stattfinden darf, da sich die Nichtprüfungsleistungen nach Art. 4 Abs. 2 EU-VO von denen des HGB unterscheiden können. 

Der Rückgang der erlaubten Nichtprüfungsleistungen lässt sich insbesondere auf den neuen IDW RS HFA 36 n. F. zurückführen, der durch seinen klarstellenden Charakter dafür sorgt, dass in der Unternehmenspraxis Honorare von den anderen Bestätigungsleistungen in die Abschlussprüfungsleistungen umgeschichtet werden. Dadurch trägt er zur Einhaltung des 70 %-Cap bei. 

In diesem Zusammenhang sollte die Frage erlaubt sein, ob die Beschränkung der erlaubten Nichtprüfungsleistungen durch die EU in ihrer jetzigen Form überhaupt sinnvoll ist. Dies sollte sehr kritisch hinterfragt werden, weil es für Bilanzadressaten den Eindruck hat, als würde die Unabhängigkeit des Abschlussprüfers durch die stärkere Trennung von Abschlussprüfung und prüfungsnaher Beratung gestärkt werden, es aber in Wahrheit bei einem großen Teil der Unternehmen nur zu einem anderen Ausweis der gleichen nachgefragten Leistungen kommt. 

Es wird interessant zu beobachten sein, ob sich der Trend der rückläufigen Nichtprüfungsleistungen auch in den nächsten Jahren fortsetzt und sich dadurch die von der EU erhoffte Stärkung der Unabhängigkeit des Abschlussprüfers einstellt.

X

Diese Website verwendet Cookies

Cookies gewährleisten den vollen Funktionsumfang unseres Angebots, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken gesetzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutzerklärung!
Cookie-Einstellungen

Cookies akzeptieren

Cookies erforderlich

Um fortfahren zu können, müssen Sie die dafür zwingend erforderlichen Cookies zulassen. Diese gewährleisten den vollen Funktionsumfang unserer Seite, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken genutzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutzerklärung.