Corona-Crash: Aus Verlusten steuerlich das Beste machen

Eilnachricht NWB-EV 5/2020 S. 145

Mittlerweile dürften die meisten Anleger die Steuerbescheinigungen ihrer Banken für das Jahr 2019 erhalten haben. Insbesondere am Aktienmarkt ließ sich im Vorjahr gutes Geld verdienen. Das spiegelt sich in vielen Depots wider und freut auch den Fiskus. Im aktuellen Jahr indes dürfte es eher lange Gesichter geben, denn etliche Anleger haben im Corona-Crash im März 2020 panikartig Aktien oder Fonds verkauft und sitzen jetzt auf Verlusten. Für sie stellt sich die Frage: Können sie diese Verluste im nächsten Jahr steuerlich geltend machen? Seit Einführung der Abgeltungsteuer im Jahr 2009 wird für Wertpapiergewinne oberhalb des Sparerfreibetrags von 801 € pro Person die Abgeltungsteuer von 26,38 % (ohne Kirchensteuer) fällig. Diese Steuer führen die Banken ans Finanzamt ab, sofern keine Nichtveranlagungs-Bescheinigung vorliegt. Doch was passiert, wenn man im größten Crash seit den 1930er Jahren seine Fonds verkauft und Verluste erlitten hat?

„Die Antwort hängt von mehreren Faktoren ab“, sagt Rolf Müller von der fintegra Steuerberatungsgesellschaft auf Nachfrage des Deutschen Instituts für Altersvorsorge. „Wer sein Depot bzw. Konto bei ausschließlich einer Bank führt, dem werden diese Verluste vom Institut in einem sogenannten Verlustverrechnungstopf gutgeschrieben“, so der Steuerberater aus Nürnberg. Das Institut führt dadurch auf spätere Gewinne mit Wertpapieren erst dann Abgeltungsteuer an den Fiskus ab, wenn diese Verluste ausgeglichen worden sind. „In diesem Fall muss man nichts tun“, erklärt Müller. Anleger, die nach dem Verkauf in den roten Zahlen stecken, können somit in Zukunft potenziell steuerfreie Gewinne erzielen.

Anders liegt die Sache, wenn ein Anleger Depots bei mehreren Banken führt und Verluste verbucht. „Dann kann es sinnvoll sein, in der Steuererklärung die Anlage KAP auszufüllen“, erklärt Torben Peters von der Vermögensverwaltung Proaktiva dem Deutschen Institut für Altersvorsorge. Voraussetzung sei, dass den Verlusten des einen Depots Kapitalerträge in einem anderen Depot gegenüberstehen. „Dann lassen sich die Positionen verrechnen, so dass die Abgeltungsteuer nur für den verbleibenden Ertrag zu zahlen ist. Der Anleger erhält dann mit dem Steuerbescheid Geld zurück“, so der Vermögensverwalter.

Allerdings gibt es im Abgeltungsteuergesetz einen Wermutstropfen. Verluste aus Geschäften mit Einzelaktien lassen sich ausschließlich mit Aktiengewinnen verrechnen, aber nicht mit anderen Kapitalerträgen. „Wer mit Aktien Geld verloren hat, muss deshalb auf Kursgewinne durch Aktienverkäufe warten, die nach und nach hoffentlich anfallen“, sagt Müller. Zu diesem Zweck sammelt die Bank diese Kursverluste im „Verlustverrechnungstopf für Aktien“ und verrechnet diese mit künftigen Aktiengewinnen. Alle anderen Kapitalerträge und -verluste werden in einem weiteren Topf verrechnet.

Für Privatanleger weniger bekannt ist, dass Gewinne oder Verluste mit Edelmetallen und physisch besicherten Exchange Traded Commodities wie Xetra-Gold nicht nach den Regeln der Abgeltungsteuer behandelt werden. Für sie greift der persönliche Einkommensteuersatz. Wobei es eine interessante Ausnahme gibt: Wer Gold nach über einem Jahr Haltedauer verkauft, zahlt keinerlei Steuer. Im Falle von Verlusten bleibt er aber auch komplett auf dem Minus sitzen.

Fazit Viele Anleger beschäftigen sich nicht gern mit den Steuern auf ihre Kapitalerträge. Sie empfinden es daher als besonders hilfreich, wenn ihnen ihr Steuerberater hier proaktiv Hinweise gibt und unter die Arme greift. So wie viele Steuerberater jetzt ihre Mandanten über die Corona-Hilfen informieren, könnten sie sie auch über steuerliche Fragen rund um die Kapitalanlage auf dem Laufenden halten.

X

Diese Website verwendet Cookies

Cookies gewährleisten den vollen Funktionsumfang unseres Angebots, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken gesetzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutzerklärung!
Cookie-Einstellungen

Cookies akzeptieren

Cookies erforderlich

Um fortfahren zu können, müssen Sie die dafür zwingend erforderlichen Cookies zulassen. Diese gewährleisten den vollen Funktionsumfang unserer Seite, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken genutzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutzerklärung.