Folgebewertung von Finanzgarantien durch den Garanten

Aufsatz von Dr. Jens Freiberg, PiR 6/2020 S. 229

Ein derivatives Finanzinstrument liegt vor, wenn der Sicherungsnehmer als Begünstigter von dem Garantiegeber eine Kompensation, die nicht nur auf den Verlust aus einem nicht fristgerecht bedienten finanziellen Anspruch begrenzt ist, verlangen kann (IFRS 9.B2.5(b)). Eine Finanzgarantie (financial guarantee) ist somit auf den Anspruch auf Kapitaldienst begrenzt. Wegen des Versicherungscharakters kommt aber auch eine Behandlung als insurance contract in Betracht. Das Regelwerk sieht ein Wahlrecht vor, welches allerdings durch einen Stetigkeitsvorbehalt eingeschränkt wird (IFRS 9.2.1(e)): Wurden selbstständig begründete Garantiezusagen bislang als Versicherungsverträge kategorisiert, darf auch künftig so verfahren werden. Fehlt eine Historie, ist eine bilanzielle Abbildung als financial guarantee contract obligatorisch. Mit der Kategorisierung als Finanzinstrument gehen besondere Vorgaben für die Zugangs- und Folgebewertung einher.

Die Kernaussagen des Beitrags zur Bewertung von Finanzgarantien durch den Garanten:

  1. Mit Einnahme einer (selbstständigen) Stillhalterposition bedarf es in Abhängigkeit der Reichweite des Einstehens einer Festlegung, ob bilanziell ein Derivat, ein insurance contract oder eine Finanzgarantie abzubilden sind.
  2. Wird eine Finanzgarantie abgegeben, erfolgt die Zugangsbewertung zwingend zum fair value, der bei einer entgeltlichen Vergütung des Garantiegebers dem Barwert der (Aval-)Provision, sonst dem Erwartungswert der Inanspruchnahme entspricht.
  3. Erfolgt die Folgebewertung nicht ausnahmsweise (erfolgswirksam) zum fair value, ist für den zu passivierenden Verpflichtungsbetrag auf den höheren Wert aus dem fortgeführten Zugangswert und die erwartete Inanspruchnahme abzustellen.
  4. Die Bestimmung der erwarteten Inanspruchnahme erfolgt im Einklang mit den Vorgaben zur Bestimmung einer loss allowance i. H. des expected credit loss.
  5. Da der Garantiegeber gegenüber dem Sicherungsnehmer eine kontinuierliche Leistung erbringt, ist der fortgeführte Zugangswert ratierlich als Konsequenz einer (Umsatz-)Erlösrealisation zu reduzieren.
  6. In der Ergebnisrechnung ist eine Bruttodarstellung der Folgebewertung geboten.
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