Auswirkungen der Einführung von IFRS 15 – Analyse der Abschlüsse der DAX 30 und S-DAX Unternehmen

Aufsatz von Prof. Dr. Nadine Antonakopoulos und Lara Marlene Mewes (B.A.), PiR 6/2020 S. 193

Für ab dem 1.1.2018 beginnende Geschäftsjahre ist IFRS 15 verpflichtend anzuwenden, er resultierte aus dem zwölf Jahre dauernden von IASB und FASB gemeinsam durchgeführtem Projekt zur Umsatzerfassung. Durch IFRS 15 wird hauptsächlich die Umsatzrealisierung komplexer Geschäfte geändert, insbesondere die Bilanzierung von Mehrkomponentengeschäften, aber auch bei der Bewertung der Umsatzerlöse sowie der Realisation (Zeitpunkt vs. Zeitraum) kommt es zu Änderungen. Für einfache Umsatzgeschäfte, wie gewöhnliche Kaufverträge und Dienstleistungsgeschäfte, ergeben sich durch IFRS 15 kaum Unterschiede.

In der hier durchgeführten Analyse sollte vornehmlich festgestellt werden, ob bei der Umstellung auf IFRS 15 Trends bezüglich der Auswirkungen auf das Eigenkapital und die Umsatzrentabilität erkennbar sind. Dafür wurden die Auswirkungen durch die Einführung von IFRS 15 beiden im DAX30 und S-DAX gelisteten Unternehmen und damit bei den größten und kleinsten Unternehmen der DAX Familie untersucht, um zunächst zu analysieren, ob die Größe der Unternehmen eine Rolle bei der Intensität der Auswirkungen spielt. Darauf aufbauend wurde untersucht, ob spezielle Branchen besonders von der Umstellung betroffen waren und ob bestimmte Umsatzgeschäfte zu besonders hohen Auswirkungen geführt haben.

Alle untersuchten Unternehmen haben Angaben zu IFRS 15 in ihren Geschäftsabschlüssen 2018 getätigt. Allerdings war der Umfang der Angaben je nach Branche und Unternehmen unterschiedlich ausgeprägt. Bei der Wahl der Umstellungsmethode hat sich eine klare Präferenz für die modifiziert retrospektive Methode ergeben, 77,94 % der untersuchten Unternehmen haben die erstmalige Anwendung von IFRS 15 mit dieser Methode umgesetzt.
Lediglich acht der 68 untersuchten Unternehmen (11,76 %) hatten Effekte aus der Erstanwendung von IFRS 15 auf das Eigenkapital von mehr als +/-1 %, hingegen verzeichneten 54,41 % der Unternehmen keine Auswirkungen auf das Eigenkapital und 33,83 % nur eine geringe Auswirkung von unter +/-1 %. Auf die Umsatzrentabilität wirkte sich die Einführung von IFRS 15 etwas stärker aus, keine Auswirkungen verzeichneten nur 51,47 % der untersuchten Unternehmen, 13,24%eine Auswirkung von größer +/-1%und 35,29 % eine geringe Auswirkung von unter +/-1 %.

Bezogen auf die durch IFRS 15 neu eingeführten Bilanzposten „Vertragsvermögenswerte“ und „Vertragsverbindlichkeiten“ haben mehr Unternehmen Vertragsverbindlichkeiten erfasst. Die meisten Unternehmen hielten sich dabei überwiegend an die Begriffe des IFRS 15, lediglich 16,18 % der Unternehmen verwendeten abweichende Begriffe.
Darüber hinaus verursachte die Einführung von IFRS 15 bei 45,59 % der untersuchten Unternehmen eine Veränderung der Bilanzsumme, davon in 80,65 % der Fälle eine Bilanzverlängerung. Allerdings veränderte sich die Bilanzsumme bei der Mehrzahl der Unternehmen nur unwesentlich im Ein-Prozent-Bereich. Die Maximalwerte bei den Veränderungen der kurz und langfristigen Bilanzposten ergaben sich zur Hälfte aus Umgliederungen. Bei den restlichen Unternehmen war die Veränderung auf der Aktivseite durchweg positiv und resultierte aus der Aktivierung neuer Vermögenswerte. Auf der Passivseite kam es in zwei Fällen zu einer Erhöhung der Schuldposten aus der späteren Umsatzerfassung und in einem Fall zu einer Reduzierung der Schuldposten durch eine frühere Umsatzerfassung.

Insgesamt hat sich die Einführung von IFRS 15 bei allen untersuchten Aspekten stärker auf die großen Unternehmen des DAX 30 als auf die kleineren Unternehmen des S-DAX ausgewirkt. Im Branchenvergleich konnte festgestellt werden, dass die Branchen Financial Services, Retail und Banks, wie erwartet, durch IFRS 15 kaum betroffen waren, während sich bei Unternehmen der Branchen Telecommunication, Automobile, Construction und Utilities fast durchgängig Auswirkungen auf den Konzernabschluss ergeben haben. Besonders hohe Auswirkungen wurden erwartungsgemäß durch Mehrkomponentengeschäfte, Änderungen bezüglich der zeitraum- und zeitpunktbezogenen Umsatzerfassung sowie Erlösen aus der Lizenzerteilung hervorgerufen. Erheblich auf die Umsatzrentabilität wirkten sich ferner bestimmte Neuregelungen zur Umsatzerfassung (Prinzipal-Agent-Beziehungen, variable Vergütungen, an Kunden zu entrichtende Gegenleistungen) in Form von Umgliederungen zu Lasten des Umsatzes in andere GuV-Posten aus, Auswirkungen auf das Ergebnis traten durch sie nicht ein.

Abschließend kann festgehalten werden, dass sich die Einführung von IFRS 15 insgesamt nur auf einzelne Unternehmen des DAX 30 bzw. des S-DAX wesentlich ausgewirkt hat.

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