Auswirkungen der Corona-Pandemie in den Geschäftsberichten der DAX 30-Unternehmen für das am 31.12.2019 endende Geschäftsjahr

Aufsatz von Prof. Dr. Hanno Kirsch, PiR 6/2020 S. 217

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) rief im Zusammenhang mit der Ausbreitung des Coronavirus (2019-nCOVID) am 30.1.2020 den Gesundheitsnotstand aus und erklärte am 12.3.2020 den COVID-19-Ausbruch zur Pandemie. In der Folge kam es weltweit u. a. zu einer weitgehenden Schließung von Betriebsstätten und Unternehmen. Der Ausbruch und die rasante Verbreitung des Coronavirus, verbunden mit vielfältigen Auswirkungen auf die Wirtschaftstätigkeit, erfolgte somit ab Ende Januar 2020. Damit fällt diese Entwicklung in den Aufstellungszeitraum des Jahres- und Konzernabschlusses der Unternehmen, deren Geschäftsjahr zum 31.12.2019 endet.

Da es sich bei den wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Pandemie um ein ab Januar 2020 aufgetretenes Ereignis mit überregionaler Bedeutung handelt, schlägt sich dieses grundsätzlich nicht in (Konzern-)Bilanz und (Konzern-)Ergebnisrechnung für das Geschäftsjahr 2019 nieder. Somit untersucht die vorliegende Studie vor dem Hintergrund der Fachlichen Hinweise des IDW, die allerdings teilweise erst nach Beendigung der Abschlussprüfungen bei den DAX 30-Unternehmen erschienen sind, die Abbildung der Corona-Pandemie in den Konzernanhängen und -lageberichten der DAX 30-Unternehmen mit einem zum 31.12.2019 endenden Geschäftsjahr.

Dabei lässt dich feststellen, dass die wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Pandemie bereits in den Geschäftsberichten der DAX 30-Unternehmen für das am 31.12.2019 endende Geschäftsjahr erste Spuren hinterlassen haben. Dies gilt allerdings nicht für alle in die Betrachtung einbezogenen Unternehmen gleichermaßen. Gerade der bei den betrachteten Großkonzernen verbreitete „fast close“ führt dazu, dass in einer Reihe von Geschäftsberichten die Corona-Pandemie keine Erwähnung beziehungsweise Berücksichtigung gefunden hat. Daher ist diese Analyse gewissermaßen auch ein Verlaufsbild der sich über mehrere Wochen hin steigernden beziehungsweise zunehmend erkennbaren Auswirkungen der Corona-Pandemie.

Die Analyse der Geschäftsberichte der 27 untersuchten DAX 30-Unternehmen mit dem Konzernabschlussstichtag 31.12.2019 lässt vermuten, dass insgesamt die Corona-Pandemie bislang deutlich unterschätzt wurde. Hierfür sprechen folgende Indizien:

  • Nur etwas mehr als ein Drittel der untersuchten Unternehmen hat im Konzernanhang unter den Ereignissen nach Abschluss des Geschäftsjahres auf die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie hingewiesen.
  • Weniger als ein Drittel der untersuchten Unternehmen hat die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie in den Prognosebericht im Konzernlagebericht explizit einbezogen. Eine etwa gleich große Anzahl von Unternehmen hat die wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Pandemie im Prognosebericht ausdrücklich ausgeschlossen.
  • Trotz der in DRS 20.133 für die Fälle außergewöhnlich hoher Unsicherheiten in Bezug auf die gesamtwirtschaftlichen Rahmenbedingungen eingeräumten – und durch die fachlichen Hinweise des IDW bestätigten – Möglichkeiten Prognosearten mit geringeren Präzisionsanforderungen zu wählen, machen die untersuchten DAX-Unternehmen hiervon praktisch keinen nennenswerten Gebrauch.
  • Lediglich zwei der untersuchten Unternehmen haben nach Abschluss der Prüfungshandlungen und Erteilung des Bestätigungsvermerks ihren Konzernanhang und Prognosebericht aufgrund der besser erkennbaren Wirkungen der Corona-Pandemie geändert und eine Nachtragsprüfung durchführen lassen.
Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass viele der Konzernnachtrags- und Konzernlageberichte der untersuchten DAX 30-Unternehmen mit Konzernabschlussstichtag 31.12.2019 die Abschlussadressaten vermutlich nicht oder nur unzureichend informieren. Dies gilt insbesondere für die nicht geringe Anzahl von Unternehmen, die bewusst darauf verzichtet haben ihre bisherigen Prognosen und damit zusammenhängend auch Risikenbewertung vor dem Hintergrund der wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Pandemie anzupassen. Zu Recht hat auch das IDW darauf hingewiesen, dass eine Aktualisierungspflicht der prognoserelevanten Einschätzungen bis zur Erteilung des Bestätigungsvermerks besteht.
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