Prüfung geschätzter Werte nach ISA (E-DE) 540

Aufsatz von WP/StB Dipl.-Kfm. Mark Schüttler, WP Praxis 6/2020 S. 159

I. Problem

Das IDW setzt die Integration der International Standards on Auditing (ISA) in die „deutschen“ Grundsätze ordnungsmäßiger Abschlussprüfung (GoA) fort. „Integration“ heißt: Entwicklung eines ISA (DE) durch Ergänzung eines ISA um D-Textziffern zur Berücksichtigung nationaler Besonderheiten. Ursprünglich sollten die ISA (DE) ab Prüfungssaison 2021 gelten. Später verschob das IDW deren verpflichtende Erstanwendung um ein Jahr auf Prüfungssaison 2022, um den Prüfern mehr Zeit zur Vorbereitung auf ISA (DE) 540 zu geben, der tiefgreifend in die Prüfungsmethode eingreifen soll. Inzwischen wurde die verpflichtende Erstanwendung der ISA (DE) abermals um ein Jahr auf die Prüfungssaison 2023 verschoben. 

Geschätzte Werte, das sind z. B. Nutzungsdauern im Anlagevermögen, niedrigere beizulegende Werte von Vorräten und Erfüllungsbeträge von Rückstellungen. Noch gilt hier IDW PS 314. Er transformiert ISA 540 i. d. F. 2009 zu einem handlichen Standard. Ihn soll später ISA (DE) 540 ersetzen. Dieser integriert ISA 540 i. d. F. 2018. Mit der Reform von ISA 540 wollte das Londoner IAASB erhöhten IFRS-Bewertungsrisiken entgegentreten: Bei HGB dominiert die Anschaffungskostenrestriktion, bei IFRS der beizulegende Zeitwert. Bei HGB wird ein Geschäfts- oder Firmenwert planmäßig abgeschrieben, bei IFRS allenfalls außerplanmäßig. ISA (DE) genießen international mehr Akzeptanz als IDW PS. Aber sie gelten gleichermaßen für KMU-Prüfungen. Jetzt hat das IDW seinen ISA (E-DE) 540 veröffentlicht. Dieser ist bald fünfmal so lang wie IDW PS 314. Zeit zu fragen, was sich ändert. 

Im Beitrag beantwortet der Autor die folgenden Fragen:

  1. Was sagt IDW PS 314?
  2. Was sagt ISA (E-DE) 540?
  3. Was ist der Unterschied zwischen Einschätzung und Beurteilung?

II. Kernaussagen 

  • IDW PS 314 gilt für hohe Schätzunsicherheiten in Abschluss und Lagebericht. Das Fehlerrisiko wird kombiniert beurteilt. 
  • ISA (E-DE) 540 gilt für alle Schätzunsicherheiten im Abschluss. Inhärentes Risiko und Kontrollrisiko müssen getrennt beurteilt werden. Außerdem muss der Prüfer Methoden, bedeutsame Annahmen und Daten würdigen. 
  • Für KMU-Prüfungen gilt: Der Prüfungsaufwand steigt, die Prüfungsqualität nicht.
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