Der Einsatz von Big Data im Rahmen der Jahresabschlussprüfung

Aufsatz von Dr. Markus Widmann und Dipl.-Volksw. Christian Velte, WP Praxis 7/2020 S. 198

I. Einleitung 

Der digitale Wandel ist heutzutage allgegenwärtig. Neue Technologien wie Cloud Computing, Blockchain oder Big-Data-Analytics durchdringen sämtliche Branchen. Neben dem Internet of Things nehmen auch soziale Medien und die Künstliche Intelligenz selbstlernender Systeme maßgeblichen Einfluss auf das wirtschaftliche Leben.

Getreu der Devise „alles was digitalisiert werden kann, wird digitalisiert“, eröffnet sich dem Anwender der Zugang zu einem Pool mit gewaltiger Dimension, in dem er nahezu beliebig Daten in bisher nicht gekanntem Ausmaß generieren, auslesen und interpretieren kann. Big-Data-Analytics entwickelt sich dabei zunehmend zu einem Schlagwort, mit dem die Erwartungshaltung verbunden ist, die großen Datenmengen durch deren Aufbereitung, Analyse und Sicherung in Mehrwerte verwandeln zu können.

Unternehmensseitig geht damit einher, dass sich Geschäftsprozesse bzw. ganze -modelle an diese Entwicklung anpassen, rasant verändern oder aber überhaupt erst zur Entstehung gelangen. Durch eine Studie von PwC konnte zuletzt erhoben werden, dass rund drei Viertel aller Unternehmen einen kurz- bis mittelfristigen Einsatz von Big Data planen. 

Während Big Data ein zu prüfendes Unternehmen damit unmittelbar betrifft, ergibt sich für den Wirtschaftsprüfer ein Bezugspunkt vornehmlich (noch) mittelbar, nämlich dann, wenn er zum Abschlussprüfer derart betroffener Unternehmen bestellt wurde. Seine dann notwendigen Prüfungshandlungen sind so auszurichten, dass sie identifizierte Risiken adressieren und minimieren. Dabei sind sie zeitsparend und effizient durchzuführen. 

Ein Einsatz von Big Data im Rahmen des Prüfungsprozesses wäre folglich dann c. p. anzuraten, wenn er im Stande wäre, entweder den Output der Prüfung (vor allem die Qualität) zu erhöhen oder den Input (vor allem die aufgebrachte Zeit bzw. die Kosten der Prüfungsdurchführung) zu reduzieren. Als Determinante der Wirtschaftlichkeit und damit Relation dieser beiden Bezugsgrößen im Kontext der Jahresabschlussprüfung gilt gemeinhin das Wechselspiel der Einflussfaktoren Risiko, Prüfungshandlung und Wesentlichkeitsgrenze.

II. Kernaussagen

  • Der Einsatz von Datenanalysen in der Abschlussprüfung kann sich auch auf extern verfügbare Daten beziehen. 
  • Der Einsatz von Big Data im Zuge analytischer Prüfungshandlungen ist im hohen Maße von exogenen Faktoren und der Datenqualität abhängig. 
  • Eine Nutzung von Big Data im Zuge analytischer Prüfungshandlungen kann zur Effizienzsteigerung beitragen und insbesondere im Bereich der Umsatzerlöse das Ausmaß an Einzelfallstichproben reduzieren.

III. Fazit

Fehlende Erfahrungen, eine Scheu vor neuartigen Technologien und die damit wohlmöglich resultierende ablehnende Haltung können  dazu beitragen, dass das Potenzial, welches der Einsatz von Big-Data-Analysen im Hinblick auf die Wirtschaftlichkeit einer Prüfung mit sich bringt, ggf. nicht ausgeschöpft werden kann. Im Zuge der fortschreitenden Digitalisierung werden sich Prüfungsgesellschaften unabhängig ihrer Größe vor dem Einsatz von Big-Data-Analysen nicht verschließen können. Befürchtungen mancher Teile des Berufsstandes, dass der Wirtschaftsprüfer der Zukunft durch hochoptimierte vollautomatisierte Lernalgorithmen ersetzt wird, sind (nicht nur) unserer Einschätzung nach unbegründet – schließlich bleibt es bei der Notwendigkeit, ein abschließendes Prüfungsurteil in Form eines Vermerks über die Durchführung der Prüfung auszusprechen. Für eine nachhaltige Attraktivitätssteigerung des Berufsbildes ist ein Umgang mit Big Data – durch sämtliche Beteiligte – im Prozess der Jahresabschlussprüfung jedoch nicht erst perspektivisch wünschenswert.

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