IFRS-Anwendung im Mittelstand – Status Quo und aktuelle Herausforderungen

Aufsatz von Prof. Dr. Brigitte Eierle und Sven Hartlieb, M.Sc., PiR 7-8/2020 S. 248

Infolge der Normierung einer verpflichtenden Anwendung der International Financial Reporting Standards (IFRS) für die Konzernabschlusserstellung kapitalmarktorientierter Mutterunternehmen durch die EU-Verordnung Nr. 1606/2002 im Jahr 2005 sowie der Verabschiedung des IFRS for Small and Medium-sized Entities für nicht-kapitalmarktorientierte Unternehmen (kurz IFRS für KMU) im Jahr 2009, hat sich die wissenschaftliche Literatur bereits intensiv mit einer möglichen IFRS-Bilanzierung im deutschen Mittelstand auseinandergesetzt. Die Ergebnisse dieser Studien zeigen durchgängig, dass den IFRS in deutschen mittelständischen Unternehmen für die Konzernabschlusserstellung nur eine sehr untergeordnete Bedeutung zukam.

Seit Verabschiedung des Bilanzrechtsmodernisierungsgesetzes (BilMoG) im Jahr 2009 mit dem der deutsche Gesetzgeber eine gleichwertige, aber kostengünstigere und einfachere Alternative zu den IFRS (sowie dem IFRS für KMU) schaffen wollte, ist der wissenschaftliche Diskurs zur IFRS-Anwendung im Mittelstand deutlich zurückgegangen. Allerdings stellt sich gerade mit der voranschreitenden Globalisierung der Beschaffungs-, Absatz- und Kapitalmärkte sowie der Etablierung der IFRS für kapitalmarktorientierte Unternehmen die Frage, ob das mit dem BilMoG modernisierte nationale Handelsrecht für den zunehmend international agierenden deutschen Mittelstand tatsächlich eine adäquate Alternative zu den IFRS darstellt.

Die neuen empirischen Ergebnisse zeigen, dass sich die IFRS-Anwendung im Mittelstand in den vergangenen Jahren nicht signifikant erhöht hat. So nahmen für das Geschäftsjahr 2018 nur 6,1 % (2009: 5,2%) der nicht-kapitalmarktorientierten Mutterunternehmen das Wahlrecht in Anspruch, einen befreienden IFRS-Konzernabschluss zu erstellen. Folglich scheinen die Herausforderungen einer IFRS-Anwendung im Mittelstand im Vergleich zu den Nutzenpotenzialen noch immer zu überwiegen.

Insbesondere die regulatorischen Entwicklungen der IFRS-Bilanzierung mit umfassenden Änderungen in den vergangenen Jahren stellt den nach IFRS bilanzierenden Mittelstand vor große Herausforderungen. Damit werden auch die Bedenken des Mittelstands bestätigt, wonach die IFRS-Anwendung vor allem durch die hohe Veränderungsdynamik und Komplexität der Regelungen von hohen Umstellungs- und Folgekosten geprägt ist.

Aufgrund dieser Entwicklungen erscheint es wenig überraschend, dass der überwiegende Teil der mittelständischen Unternehmen trotz der voranschreitenden Globalisierung sowie der Etablierung der IFRS-Bilanzierung am deutschen Kapitalmarkt noch immer eine IFRS-Anwendung scheut und stattdessen eine Rechnungslegung nach HGB als gleichwertige sowie einfachere und kostengünstigere Alternative sieht.

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