IFRS Anhangangaben: Mehr Transparenz bei den Gründen für einen Erwerb und bei der Nachverfolgung des Erwerbs

Aufsatz von Prof. Dr. Stefan Müller und Dr. Jens Reinke, PiR 7-8/2020 S. 242

Mit DP/2020/1 „Unternehmenszusammenschlüsse – Angaben, Geschäfts- oder Firmenwert und Wertminderung“ hat der IASB ein Diskussionspapier veröffentlich, das sich unter anderem mit erweiterten Anhangangaben zu Unternehmenserwerben beschäftigt. Mit diesen erweiterten Anhangangaben sollen Investoren besser verstehen, welchen Vorteil das Management vor dem Hintergrund des gezahlten Preises aus dem Unternehmenserwerb erwartete und in welchem Umfang die Erwartungen und Ziele des Managements an den Unternehmenserwerb erfüllt wurden. Für den Fall, dass keine Nachverfolgung erfolgt oder Kennzahlen nicht konstant genutzt werden, sind verpflichtende Angaben vorzunehmen.

Auch die aktuell bestehenden Angabgepflichten nach IFRS 3 sollen darüber hinaus konkretisiert werden. Geschäfts- und Firmenwert-schaffende Umstände – insbesondere die dahinterliegenden Synergien – sollen weitaus detaillierter beschrieben werden. Finanzielle Verbindlichkeiten und Verbindlichkeiten aus Pensionsverpflichtungen sollen jeweils eine nach IFRS 3.B64(i) anzugebende Hauptgruppe werden. Zudem sollen –mit Blick auf den Beitrag des erworbenen Unternehmens – dessen Cashflows aus operativer Tätigkeit im Anhang angegeben werden.

Fraglich bleibt – wenn auch vom IASB nicht so gesehen –, ob Unternehmen alle wesentlichen Unternehmenserwerbe regelmäßig – also mindestens auf jährlicher Basis – im Detail nachverfolgen. Ist dies aktuell nicht so, werden sich hieraus auch zusätzliche Kosten der Erstellung der erforderlichen Informationen für die abschlusserstellenden Unternehmen ergeben, die jedoch auch Governance-Kosten für die Verbesserung der internen Steuerung verstanden werden können.

Die umfangreichen Rechenschaftsinformationen nur für den Bereich der Unternehmenserwerbe überraschen, zumal das Interesse der Investoren auch bei anderen Großinvestitionen entsprechend vorliegen sollte. Zudem stellt sich die Frage der Abgrenzung zum Lagebericht, wo derartige Informationen teilweise bereits enthalten sind. Insgesamt scheint auch vor dem Hintergrund der notwendigen Fokussierung der Unternehmensberichterstattung auf wesentliche Aspekte der Nutzen derartiger Informationen fraglich. Treffender wäre u. E. zunächst eine intensivere Auseinandersetzung mit der Folgebewertung des erworbenen Geschäfts- oder Firmenwerts, denn wenn hier die treffende Wertminderung erfasst werden würde, könnten Investoren den Erfolg von Unternehmenserwerben einfach im Konzernergebnis oder in den diesbezüglichen – ggf. noch zu diskutierenden – Anhangangaben nachvollziehen.

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