Transparente und intransparente Trusts in der Ertrags- und Unternehmensnachfolgebesteuerung

Aufsatz von Prof. Dr. Gerhard Kraft, NWB-EV 7/2020 S. 238

Konnte der angloamerikanische Trust vor zwei Dekaden noch als „unbekanntes Wesen“ im deutschen Steuerrecht bezeichnet werden, sind mittlerweile einige, aber beileibe nicht sämtliche Zweifelsfragen geklärt. Angesichts der zunehmenden Bedeutung der Figur des Trusts werden grundsätzliche Rechtsprechungs- sowie Verwaltungsentwicklungen aufgezeigt. Ein Ausblick vor dem Hintergrund aktueller Problemfelder runden die Ausführungen ab.

Kernaussagen: 

  • Der Abgrenzung transparenter von intransparenten Trusts des angloamerikanischen Rechtskreises kann für die Besteuerungsfolgen im Inland unbeschränkt steuerpflichtiger Destinatäre höchste Bedeutung zukommen.
  • Im Kern vollzieht sich diese Abgrenzung anhand eines Typenvergleichs auf der Basis der von der höchstrichterlichen Rechtsprechung entwickelten Abgrenzungskriterien sowie der von der Finanzverwaltung entwickelten Prüfpunkte.
  • Angesichts der weitgehenden Kasuistik in Bezug auf die Unterscheidung von transparenten und intransparenten Trusts muss die Rechtsentwicklung anhängiger Verfahren sorgfältig beobachtet werden.

Das üblicherweise als Stiftungsboom bezeichnete Vordringen des Rechtsinstituts der (Familien-)Stiftung umschließt auch den Trust angloamerikanischer Prägung. Kein „Family Office“, aber auch keine anspruchsvolle Gestaltungsberatung kann dieses Instrument aus dem Blick nehmen. Wenn auch für die deutsche Besteuerung ein vergleichsweise hoher Erkenntnisstand zu konstatieren ist, kann gleichwohl nicht davon ausgegangen werden, dass alle Verästelungen im Detail einer Klärung zugeführt wären.

Trusts weisen im Bereich der Ertragsteuerplanung und der Nachfolgekonzeption im Zusammenhang mit unternehmerischen Vermögensübertragungen innerhalb, aber auch außerhalb von Familienstrukturen eine in jüngerer Zeit stetig zunehmende Bedeutung auf. 

Ergebnis



Es zeigt sich, dass die höchstrichterlichen Erkenntnisse um eine bemerkenswert tiefe Auseinandersetzung mit der Materie bemüht sind. Ob dies in einer in sich geschlossenen, systematisch-konzeptionell widerspruchsfreien Theoriebildung endet, wird auch von den weiteren Entwicklungen der höchstrichterlichen Judikatur im Rahmen anhängiger Grundsatzverfahren abhängen. 

Schließlich kann die Bedeutung der erörterten Thematik im konkreten Einzelfall nicht hoch genug eingeschätzt werden. Denn wie angedeutet wurde, kommt der Abgrenzungsdogmatik bezüglich transparenten und intransparenten Trusts im Hinblick auf praktische Besteuerungsunterschiede höchste Bedeutung zu.

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