Überlegungen des IASB zum künftigen IFRS-SME-Standard und deren Einschätzung

Aufsatz von Prof. Dr. Hanno Kirsch, PiR 7-8/2020 S. 232

Mit dem IFRS-SME Request for Information (RfI) hat der IASB zur nächsten Runde der Überarbeitung seines zuletzt 2015 überarbeiteten IFRS-SME aufgerufen. Die Kommentierungsfrist endet am 30.6.2020. Auch wenn der IASB an vielen Stellen im IFRS-SME RfI betont, noch keine vorläufigen Positionen zu einem bestimmten prozessualen Vorgehen oder zu bestimmten Angleichungsaspekten eingenommen zu haben, lässt sich gleichwohl bereits jetzt anhand der Formulierung der Fragen und der ergänzenden Erläuterungen in Appendix B des IFRS-SME RfI erkennen, welche Tendenzen in Bezug auf die künftige inhaltliche Entwicklung des IFRS-SME bestehen dürften. So steht insbesondere zu erwarten, dass

  • gerade die erst in jüngerer Zeit in den full IFRSs in Kraft gesetzten IFRS 15 und IFRS 16 in einem sehr hohen Maße an Übereinstimmung auch im künftigen IFRS-SME umgesetzt werden,
  • in Bezug auf die Klassifizierung und Bewertung der finanziellen Vermögenswerte eher IFRS-SME-spezifische Rechnungslegungsmethoden entwickelt werden, die sich nur in Teilbereichen an das Pendant des IFRS 9 anlehnen, und
  • eine Vielzahl von im jetzigen IFRS-SME enthaltenen IFRS-SME-spezifischen Regelungen – wegen fehlender Änderungen in den korrespondierenden IAS/IFRS – weitgehend unberührt bleibt.
Mit dieser inhaltlichen Positionierung ist jedoch untrennbar verbunden, dass die Komplexität der künftigen IFRS-SME-Regelungen deutlich ansteigen wird, vor allem durch die weitgehende Angleichung an IFRS 15 und 16 sowie auch die beabsichtigte Übernahme der Bewertungshierarchie des IFRS 13 in den IFRS-SME.

Abschließend lässt sich feststellen, dass sich durch die im IFRS-SME RfI angewandte Vorgehensweise, der nur partiellen Angleichung der untersuchten Abschnitte des IFRS-SME, das vom IASB als präferierungswürdig angesehene Ziel der Konformität zu den full IFRSs nicht erreichen lässt. Vielmehr wird es in einzelnen Abschnitten voraussichtlich zu einem konzeptionslosen Nebeneinander der in unterschiedlichen Phasen der IFRS/IAS entwickelten Rechnungslegungsnormen kommen, die im Gesamtzusammenhang nur schwer verständlich und einordbar sind und teilweise auch einen völlig unterschiedlichen Detaillierungsgrad aufweisen dürften. Daher muss einmal mehr die Attraktivität und Zukunftsfähigkeit des IFRS-SME bezweifelt werden.
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