IDW: Modulverlautbarungen zu IFRS 9 (IDW RS HFA 50)

Aufsatz von Prof. Dr. Daniel T. Fischer, PiR 7-8/2020 S. 267

Factoring-Vereinbarungen:
Gegenstand des Moduls IFRS 9 – M2 des IDW RS HFA 50 sind revolvierenden Factoring-Programme. Zugleich ist der Anwendungsbereich auf das sogenannte echte Factoring eingegrenzt, welches gem. IFRS 9.3.2.3(b) i. V. mit IFRS 9.3.2.6(a) zur Ausbuchung der Forderungen beim bilanzierenden Unternehmen führt. Dies setzt die effektive Übertragung des Delkredererisikos an den Factor voraus.

Fraglich ist nunmehr die Bewertung dieser, in den Anwendungsbereich der Modulverlautbarung eingeschlossenen Forderungen bis zum Zeitpunkt der Übertragung an den Factor. Die Bewertung richtet sich nach den Klassifizierungsregeln des IFRS 9, die auf die sogenannte Geschäftsmodellbedingung und Zahlungsstrombedingung aufbauen. Ist neben der Zahlungsstrombedingung (sogenannte SPPI-Kriterium; solely payments of principal and interest) auch das Norm-Geschäftsmodell „Halten“ erfüllt, werden die Forderungen zu fortgeführten Anschaffungskosten nach Maßgabe der Effektivzinsmethode bewertet (vgl. IFRS 9.4.1.2). Letzteres, d. h. das Halten von Forderungen zum Zweck der Vereinnahmung der vertraglich vereinbarten Zahlungsströme, ist bei Factoring-Vereinbarungen, die im Wege eines vertraglich vorbestimmten Mechanismus den Verkauf von Forderungen und deren Abtretung an den Factor vorsehen, fraglich.

Grundsätzlich sind Verkäufe im Rahmen des Norm-Geschäftsmodells „Halten“ möglich. Allerdings kommt es auf die Würdigung der Gesamtumstände an, welche insbesondere durch die Häufigkeit (frequency), den Wert (value) und den zeitlichen Anfall (timing) von Verkäufen werden (vgl. IFRS 9.4.1.2 i. V. mit IFRS 9.B4.1.2C). So sind beispielsweise Verkäufe anlässlich eines tatsächlich gestiegenen oder erwarteten Anstiegs von Kreditrisiken unschädlich (vgl. IFRS 9.B4.1.3A). Die automatisiert zum Verkauf der Forderung führenden Factoring-Programme stellen aber eben gerade

nicht auf die Veränderungen von derartigen Charakteristika ab. Stattdessen steht die unmittelbare Umwandlung von – zunächst – Rechten auf Zahlungsmittelzuflüssen in Zahlungsmittel im Vordergrund. Nach Auffassung des IDW widerspricht dies dem Norm-Geschäftsmodell „Halten“ (vgl. IFRS 9.B4.1.4). So bestehe eine Analogie mit der Syndizierung von Krediten. Auch hier ist betreffend den zu syndizierenden Anteil keine Entsprechung mit dem Norm-Geschäftsmodell „Halten“ unterstellbar. Folglich scheidet eine Bewertung zu fortgeführten Anschaffungskosten aus.

Das IDW weist überdies auf andere Formen von Factoring-Vereinbarungen hin, die neben dem Halten auch den Verkauf von Forderungen vorsehen können, z. B. in Abhängigkeit von situationsabhängigen Liquiditätsbedürfnissen. Hier kann das Norm-Geschäftsmodell „Halten und Verkaufen“ gem. IFRS 9.4.1.2.A in Betracht kommen, mit der Folge einer erfolgsneutralen fair value-Bewertung für nicht auf Ausfallrisiken zurückgehende wertbestimmende Faktoren. Entscheidend sei aber auch hier die Absicht, nicht automatisch alle Forderungen zu verkaufen.

Herrschen für Teilportfolien des Gesamtbestands an Forderungen jeweils gesonderte Rahmenbedingungen (z. B. verschiedene Factoring-Programme etc.), bedarf es einer individuellen Betrachtung jeder unterscheidbaren Teilmenge.

Finanzinstrumente mit identischen Vertragsbedingungen, aber unterschiedlichen Zugangszeitpunkten:
Es wird konkretisiert, ob bei unterschiedlichen Ausgabe- bzw. Erwerbszeitpunkten der Finanzinstrumente mit identischen Vertragsbedingungen gegebenenfalls geänderte Umstände beim Erstansatz Auswirkung auf die Beurteilung der Zahlungsstrombedingungen haben können.

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