Handelsmanagement im Umbruch: Steuerung unter neuen Vorzeichen
Der Handel war schon immer einer dynamischen Entwicklung ausgesetzt – doch selten waren die Gründe für den Anpassungsdruck so vielschichtig wie heute.
Technologische Innovationen, disruptive Veränderungen im Anbieter- und Konsumentenverhalten und volatile gesamtwirtschaftliche Rahmenbedingungen treffen auf strukturelle Engpässe auf den Arbeitsmärkten. Man denke beispielsweise an Unternehmen wie Temu, die preisgünstige Waren unter Umgehung von Zwischenhändlern direkt von chinesischen Herstellern an Endkonsumenten versenden und dabei in der Vermarktung stark auf Gamification-Elemente und KI-gesteuerte Bedarfsplanung setzen.
Auf der anderen Seite entsteht für den Handel Druck durch Kundenforderungen nach kostspieligen technologischen Ausrüstungen wie Augmented- oder Virtual-Reality-Konzepte am Point of Sale.
Gestaltung wird immer wichtiger im Handelsmanagement
Anhand dieser Beispiele wird deutlich, dass sich zentrale Rahmenbedingungen des Handels gleichzeitig verschieben. Markt- und Wettbewerbsbedingungen verändern sich ebenso wie Erwartungen von Kunden, Mitarbeitenden und weiteren Stakeholdern. Effizienzfragen stehen nicht mehr isoliert im Raum, sondern müssen im Kontext von Anpassungsfähigkeit, Attraktivität und Zukunftsfähigkeit beantwortet werden. Damit rückt das Handelsmanagement stärker denn je in eine gestaltende Rolle.
Handelsunternehmen sehen sich daher gezwungen, ihre Steuerungslogiken grundlegend zu überdenken. Entscheidungen müssen zunehmend auf Basis heterogener, teilweise unstrukturierter und vor allem unsicherer Informationen getroffen werden, während Planungs- und Reaktionszeiträume immer kürzer werden. Klassische Instrumente des Handelsmanagements und -controllings behalten zwar ihre grundlegende Relevanz, reichen aber häufig nicht mehr aus, um die angesprochene Dynamik, Unsicherheit sowie resultierende Zielkonflikte angemessen abzubilden.
Gefragt sind vielmehr integrierende Ansätze, die Analysefähigkeit, strategische Weitsicht und operative Umsetzbarkeit verbinden.
Handelsmanagement und -controlling in der aktuellen BFuP
An dieser Stelle setzen die Beiträge des Themenheftes an. Hier werden Handelsmanagement und -controlling nicht als reine Reaktionsinstanzen verstanden, sondern als aktive Treiber organisationaler Erneuerung. Der Fokus liegt auf der Frage, wie Handelsunternehmen unter dauerhaftem Veränderungsdruck handlungsfähig bleiben – analytisch fundiert, strategisch ausgerichtet und zugleich praxisnah.
Damit adressiert das Themenheft ein zentrales Anliegen der aktuellen betriebswirtschaftlichen Diskussion und unterstreicht die besondere Bedeutung des Handels als Seismograf wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Entwicklungen.
Autoren: Prof. Dr. Marcel Clermont und Prof. Dr. Daniel Hoppe, Duale Hochschule Gera-Eisenach
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